Operation gelungen, Patient leidet weiter

Innsbruck (OTS/TT) - Untertitel: In einer Ho-ruck-Aktion wurde das Finanzloch an der Medizinischen Universität gestopft. Solange es im Gesundheitswesen keine echte Strukturreform gibt, wird die Krisenfeuerwehr noch öfter ausrücken müssen.

Von Anita Heubacher
Nichts ist effizienter als Ärzte, die mit dem Leichentuch wacheln. Spätestens dann ist klar, dass das Wohl der Patienten in Gefahr ist. Allzu oft können Ärzte die Methode allerdings nicht exhumieren, sonst geht die Effizienz verloren.
Auf Kosten der Patienten läuft im Gesundheitssystem vieles. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht ganz so offensichtlich ist wie das Leichentuch in der Hand der Ärzte. Es ist die Struktur, die nicht nur Milliarden versickern lässt, sondern auch für den Patienten abträglich ist, wenn er an die Grenzen der Schnittstellen im System kommt. Der Patient wird vom Haus- zum Facharzt, zum Spital und wieder retour geschickt. Das hat oft keine pathologischen Gründe, sondern liegt an den Finanzierungstöpfen.
Da wäre einmal das Struktur- und Finanzierungsproblem zwischen Bund und Land, wenn es um den Betrieb von Krankenhäusern geht, die auch Universitätskliniken sind. Wie viel "klinischen Mehraufwand" muss der Bund dem Land zahlen, wenn an einem Krankenhaus auch geforscht und gelehrt wird? Jahrelang konnten sich Bund und Land nicht einigen, wie man unser Steuergeld untereinander aufteilt. Schlussendlich nahm man öffentliches Geld in die Hand und rief den Verfassungsgerichtshof als Schiedsrichter an. Das ist die Kapitulation. Gestern hat man den Ärztestreik abgewendet und das Budgetloch an der Med-Uni gestopft, und man hat vor allem versprochen, die Frage des klinischen Mehraufwands zu klären.
Damit ist die Operation gelungen, der Patient leidet weiter. Denn neben der Lösung der Frage des klinischen Mehraufwands muss auch ein Zusammenarbeitsvertrag zwischen dem landeseigenen Krankenhausträger, Tilak, und der Medizinischen Universität kommen.
Wenn wir dann also wissen, wie Spital und Universität zusammenarbeiten, dann wissen wir noch lange nicht, wie Spitäler und niedergelassene Ärzteschaft besser zusammenarbeiten sollen. Auch darum ging es gestern bei Verhandlungen in Wien. 1,4 Milliarden Euro sollen im Gesundheitswesen eingespart werden. Wo das Geld zu holen ist, wissen Gesundheitsökonomen schon lange: in der Vereinheitlichung der Struktur. Es braucht eine Finanzierung aus einer Hand. Das ist ein hehrer Wunsch bei neun Bundesländern und rund 25 Krankenkassen, die berufsständisch organisiert sind. Daher wird die Krisenfeuerwehr noch oft ausrücken müssen.

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