Aus dem Staub gemacht

Innsbruck (OTS/TT) - Untertitel: Die Ursachen für Feinstaub sind seit Jahren bekannt: Verkehr, Heizöfen und Industrie verpesten die Umwelt. Doch bis jetzt wurden keine tauglichen Maßnahmen getroffen, um die Belastung einzudämmen. Tirol drohen ab 2015 Millionenstrafen.

Von Matthias Christler
Eine Feinstaub-Wolke hat sich über Innsbruck zusammengebraut. Die Grenzwerte werden seit zehn Tagen überschritten. Täglich. Die Belastung für die Gesundheit nimmt zu. 400 Menschen sollen in Tirol pro Jahr an den Folgen von Feinstaub sterben; die Lebenserwartung verkürzt sich in verkehrsreichen Gebieten um zehn Monate. Wenn morgen das Wetter umschlägt und der Wind die Wolke mit den kleinen Staubkörnern verbläst, können die Tiroler durchatmen. Fürs Erste. Die aktuelle Feinstaubbelastung ist für Optimisten nur eine Momentaufnahme, für Realisten ein Warnschuss im letzten Moment. Natürlich muss bei den Temperaturen um minus 20 Grad viel mehr geheizt werden. Bei dieser Eiseskälte fährt auch sicher jeder lieber im Auto als auf dem Fahrrad. Und die Industrie kann ihre Maschinen wegen der Grenzwert-Überschreitungen nicht von einem Tag auf den anderen herunterfahren. Aber: Feinstaub ist nicht nur in der momentanen Kälteperiode ein Problem, sondern an vielen Tagen im Jahr. Zu vielen.
Die kleinkarierten Diskussionen um Tempo 100 und Umweltzonen in Städten verschleiern das wahre Problem: Bis jetzt wurden weder in Tirol noch in anderen Bundesländern und auch nicht in Deutschland genug geeignete Maßnahmen umgesetzt. Umweltlandesrat Hannes Gschwentner und Verkehrslandesrat Bernhard Tilg betonten noch im Herbst, Tirol habe mit dem IGL-Hunderter genug getan. Doch der ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.
In Graz, derzeit die am stärksten belastete Stadt Österreichs, dürfen zeitweise keine Holz- und Kohleöfen als Zweitheizung betrieben werden. Doch wer soll das überwachen? Das deutsche Umweltbundesamt hat neue Zahlen veröffentlicht, die belegen, dass auch in den über 50 Städten mit Umweltzonen die Luft schlechter geworden ist.
Die guten Ideen haben sich offenbar aus dem Staub gemacht. Dabei liegen die Lösungen auf der Hand: Heizen mit anderen Brennstoffen, Umsteigen auf ein besser ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz und moderne Filter in Industrieanlagen - die Umsetzung scheitert aber am Geld.
In drei Jahren wird sich das rächen. Ab 2015 kann die EU wegen fehlender Maß-nahmen Tirol strafen. Bei Grenzwertüber-schreitungen ist die Rede von 100.000 bis 200.000 Euro Strafe - pro Tag. Es bleibt

keine Zeit zum Durchatmen. Es darf nicht nur über eine Maßnahme im Verkehr, beim Heizen oder in der Industrie diskutiert
werden, es müssen viele in allen Bereichen umgesetzt werden. Denn die Luft wird immer dünner.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001