Weihbischof Laun in "Am Punkt": Wenn man "Gott eliminiert, wird man krank"

Heftige Debatte in ATV-Diskussionssendung über Ursachen psychischer Krankheiten

Wien (OTS) - Mehr als 900.000 Österreicher jährlich werden wegen psychischer Probleme behandelt. In der ATV-Diskussionssendung "Am Punkt" wurde gestern darüber gestritten, wieso immer mehr Menschen Hilfe brauchen. Der deutsche Managementberater und Bestsellerautor ("Die Entscheidung liegt bei Dir!", "Das Prinzip Selbstverantwortung") provozierte mit der These, dass die Menschen keine Verantwortung mehr für ihr eigenes Leben übernehmen würden. Es gebe eine Tendenz zur "organisierten Unverantwortlichkeit, das Abschieben auf Experten, in Therapie gehen", dabei wäre "Selbstdisziplin doch auch eine Möglichkeit der Selbsthilfe."

Die Präsidentin des Österreichischen Bundesverbands für Psychotherapie, Eva Mückstein, widersprach heftig: "Sie sprechen genau davon, was psychisch Kranke immer wieder zu hören bekommen: Sie sind selber an ihrem Unglück schuld, sie sind willensschwach, sie haben nicht genug Motivation, ihr Leben in die Hand zu nehmen. All diese Stigmatisierungen gehen so weit vorbei an der Realität, dass Sie damit den Betroffenen wirklich ein Leid antun, wenn Sie so etwas sagen."

Der ehemalige ORF-Moderator Gerald Groß, der früher selbst mit einem Burnout zu kämpfen hatte und über Panikattacken berichtete, sieht ähnlich wie Sprenger zumindest eine Tendenz, dass manche Menschen sich selbst sehr schnell ein Burnout zuschrieben. In "Am Punkt" sagte er: "Das, was wir heute so auch ein bisschen flapsig und salopp als die Flucht ins Burnout bezeichnen, ist schon auch ein volkswirtschaftliches Problem und da denke ich mir manches Mal schon auch, wenn ich dann diese sogenannten ehemaligen Burnoutopfer treffe, bei Extremsportarten, die beim Wien Marathon mitlaufen, dann habe ich irgendwie etwas falsch gemacht." Allerdings betonte Groß auch, dass es sehr oft auch wirkliches Leid gebe: "Soziale Zwänge und überzogene Erwartungshaltungen machen die Seele krank. Sich das einzugestehen, erfordert Mut."

Der Salzburger Weihbischof Andreas Laun machte in "Am Punkt" die Abkehr vom Glauben verantwortlich für psychische Leiden: "Wenn es wahr ist, wovon ich überzeugt bin, wenn der Mensch auf Gott hin geschaffen ist, es zu seiner Natur gehört, und du eliminierst Gott total, dann wird man krank." Gleichzeitig übte er Selbstkritik: "Ich erinnere mich an eine Psychiaterin in Salzburg, die mir gesagt hat:
Seit eure Beichtstühle leere sind, sind unsere psychiatrischen Wartezimmer gefüllt. Das gibt uns natürlich zu denken, wir sagen, was haben wir falsch gemacht, dass die Leute mit ihrer Schuld, ihrer Not nicht zu uns kommen wollen."

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