Ärztekammer zur Verkürzung des Medizinstudiums

Eu-Plan gefährdet ärztliche Ausbildung - Qualitätsverlust befürchtet

Wien (OTS) - Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) lehnt die von der EU-Kommission geplante Verkürzung des Medizinstudiums um ein Jahr bei gleichbleibender Stundenanzahl ab. Sie befürchtet eine Verschlechterung und Abwertung der medizinischen Ausbildung.

In kaum einer anderen Wissenschaft wachse das Wissen so rasant wie in der Medizin, erklärte der Sprecher der Primarärzte in der ÖÄK, Robert Hawliczek in einer Aussendung am Montag. "Es ist realitätsfern zu glauben, dass man eine solch komplexe und sich laufend erweiternde Materie im Schnelldurchgang erfassen und verarbeiten kann", so Hawliczek, der damit die Sorgen der für Forschung und Lehre verantwortlichen Primarärzte auf den Punkt bringt.

Mehr Fehler und höhere Kosten

ÖÄK-Präsident Walter Dorner betonte, dass die theoretische Ausbildung von Jungmedizinerinnen und -medizinern ebenso wichtig sei wie das Vermitteln von praktischen Fertigkeiten und sozialer Kompetenz: "Das Studium der Humanmedizin wurde ja bereits von einem Doktorat auf ein Magisterstudium zusammengestutzt. Wenn wir nun weiter an der theoretischen Ausbildung sparen, haben wir am Ende unsichere Ärzte." Das bedeute mehr Behandlungsfehler, aber auch zusätzliche Kosten für das Gesundheitssystem. Denn, so Dorner weiter, es sei davon auszugehen, dass ein unsicherer Arzt mehr Zusatzuntersuchungen für seine Diagnose brauche als ein theoretisch sattelfester.

Schon jetzt würden zunehmend praktische Tätigkeiten ins Studium verlagert, beklagte Primarärzte-Chef Hawliczek. Dies sei aus sachlicher Sicht unnötig und besorgniserregend. Praktische Fertigkeiten könnten in der Fachausbildung problemlos und den aktuellen Erfordernissen angepasst vermittelt werden. Auch für die immer wichtiger werdende Vorbereitung auf Managementaufgaben fehle es im Medizinstudium an Zeit. Es sei nicht nachvollziehbar, dass andere Gesundheitsberufe aus gutem Grund eine Akademisierung und Verlängerung der Ausbildung anstrebten, aber angehende Mediziner mit immer weniger Ausbildung auf ihre Aufgaben vorbereitet werden sollen, kritisierte Hawliczek.

Schließlich trügen immer noch Ärztinnen und Ärzte die höchste Verantwortung für die ihnen anvertrauten Patienten. Die Gesellschaft erwarte daher zu Recht, dass Mediziner ihre Tätigkeit auf Basis einer profunden und umfassenden Ausbildung wahrnehmen. Eine solche könne aber von einem verschulten und von Rationalisierung getriebenem System nicht mehr gewährleistet werden, erklärten ÖÄK-Präsident Dorner und Primarärzte-Sprecher Hawliczek abschließend. (ar)

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