TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Freitag, 3. Februar 2012, von Anita Heubacher: "Ohne Einigung bleibt Klinik der Patient"

Innsbruck (OTS) - Untertitel: An einer Arbeitsstelle als Arzt zwei Dienstgebern dienen zu müssen, ist ein Kunstfehler, der längst beseitigt gehört. Bund und Land streiten seit gefühlten Jahrzehnten um den klinischen Mehraufwand und damit ums Geld.

Ein Arbeitsplatz, zwei Dienstgeber. Das ist eine Rechnung, die nicht aufgehen kann. Noch dazu, wo die Dienstgeber verschiedene Arbeitsanforderungen an ihre Dienstnehmer haben. In der Privatwirtschaft denkunmöglich, an der Klinik Innsbruck schon lange praktiziert.
Bundes- und Landesärzte bestreiten den Dienst an der Klinik. Die Anforderung an den Bundesarzt, der über die Medizin-Universität läuft und damit vom Bund bezahlt wird, ist, zu lehren, zu forschen und Dienst am Patienten zu versehen. Dann gibt es die Landesärzte, die, vom Land bezahlt, die Patientenversorgung gewährleisten müssen. Damit es noch ein bisschen komplizierter wird, bekommt das Land vom Bund Geld, weil an der Klinik geforscht und gelehrt wird. Das nennt sich klinischer Mehraufwand. Da geht es um richtiges Geld. 63,7 Mio. Euro pro Jahr überwies der Bund an das Land. Ab 2007 zahlte der Bund nur noch 50 Millionen Euro. Bund und Land verkrachten sich dermaßen, dass der Verfassungsgerichtshof angerufen wurde. Der gab Tirol Recht, allerdings legte das Höchstgericht den Verteilungsschlüssel nicht fest. Das war im März 2011.
Und darum streiten Bund und Land munter weiter. Lösung ist noch keine in Sicht. Aus der Sicht des Landes schuldet der Bund Tirol 100 Millionen Euro. So, und nun kommt die Medizin-Uni (MUI) und stellt fest, dass 5,5 Millionen Euro in ihrem Budget fehlen und greift zu drastischen Schritten.
Sie will einen Teil der Bundesärzte, nämlich 200 bis 250 Fachärzte, vom Dienst abziehen, wenn kein Geld vom Bund oder vom Land fließt. Das Land müsste in die Presche springen und seine Ärzte einsetzen oder Dienste der Bundesärzte bezahlen. Da schließt sich der Kreis: Warum noch mehr bezahlen, wenn der Bund Tirol ohnehin schon 100 Millionen Euro aus dem klinischen Mehraufwand schuldet? Warum noch mehr bezahlen, wenn der Bund am Wiener AKH für alle Ärzte bezahlt und in Tirol nur für 46 Prozent?
Es dreht sich vieles um den klinischen Mehraufwand. Wird diese Frage gelöst, könnte man in der Folge mit dem Zweiklassenmodell Bundes- und Landesärzte aufhören. Ein Ärztepool, wo sich Ärzte im Laufe ihrer Ausbildung entscheiden können, ob sie sich auf die Forschung spezialisieren wollen oder nicht. Es würde offensichtlich, was man von Innsbruck als Universitätsstandort erwartet und was die Patientenversorgung leisten soll.

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