Karola Kraus: Das mumok trauert um Mike Kelley

Wien (OTS) - Mit Trauer und Betroffenheit reagiert mumok
Direktorin Karola Kraus auf die überraschende Nachricht von Mike Kelleys Tod, der sich gestern Nacht in L.A. das Leben nahm. Der amerikanische Künstler war ein Freund und Ideengeber des mumok.

Mike Kelley setzte in seinem multimedialen Werk Objekte und Motive ein, die auf unmittelbare existenzielle Erfahrungen, Ängste und Hoffnungen verweisen. Er führte das Schäbig und Verdrängte vor Augen, das gewöhnlich nicht mit sanktionierten gesellschaftlichen und kulturellen Wertvorstellungen in Verbindung gebracht wird. Seine Herkunft aus der Arbeiterschicht, sein Engagement in der linken Underground- und Punkkultur sowie sein unverkrampfter Umgang mit unterschiedlichsten künstlerischen Medien verleihen seinen Arbeiten eine Offenheit und Radikalität, die eine Poesie des Anarchischen und Abgründigen vermitteln. Als Grenzgänger zwischen den Medien sowie zwischen Hoch- und Subkultur brandmarkte Kelley die Vorstellung einer sognannten "weißen Kultur" als homogener und elitärer Einheit.

So bezieht sich auch eines seiner Hauptwerke, das sich in der Sammlung des mumok befindet (Lumpenprole,1991), auf das Lumpenproletariat als Außenseitertum und als Metapher des Ausgegrenzten und Verborgenen, das aber zugleich mit Subversion und Kreativität in Verbindung gebracht wird. Für das mumok kuratierte Mike Kelley im Sommer 2004 auch die Ausstellung The Uncanny, die sich in Anlehnung an Freuds Begriff des Unheimlichen der Grenzüberschreitung und Interferenz von künstlerischen und psychologischen Phänomenen widmete. Kelley zeigte damals nicht nur eine Auswahl hintergründig obsessiver Arbeiten von Künstlerkollegen, sondern er verknüpfte diese mit Exponaten aus wissenschaftlichen Sammlungen und stellte zugleich auch seine eigene Sammelleidenschaft zur Schau. Mit dieser Überschreitung gängiger kuratorischer Routine eröffnete er auch als Ausstellungsmacher neue Perspektiven.
"Mit Mike Kelley verliert die Kunstwelt einer ihrer innovativsten und radikalen Köpfe und das mumok trauert um einen seiner Freunde, Stützen und Ideengeber." so Karola Kraus.

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