Gesundheitsreform: Für die Ärztekammer "ein guter Beginn"

Voraussetzungen aber sind Nachhaltigkeit und Qualitätsorientierung - Dorner mahnt Einbeziehung von Ärztinnen und Ärzten ein

Wien (OTS) - Ärztekammerpräsident Walter Dorner begrüßt in einer ersten Stellungnahme die Bemühungen, die Aufgaben im Gesundheitsbereich neu zu verteilen und insbesondere die ambulanten Leistungen stärker in den niedergelassenen Bereich auszulagern, Krankenhausleistungen zu bündeln sowie eine zentrale Steuerung von Geldflüssen ins Auge zu fassen. Er mahnt aber auch ein, die Ärzteschaft stärker als bislang in den Reformprozess miteinzubeziehen. ****

Dorner erinnert daran, dass die Österreichische Ärztekammer bereits vor drei Jahren umfassende Leitlinien zur Gesundheitsreform herausgegeben habe, deren Inhalte sich im Wesentlichen mit jenen deckten, die aktuell von den Gesundheitsreform-Verhandlerinnen Sonja Wehsely und Ingrid Reischl herausgegeben wurden. "Ich freue mich, wenn sich die Politik unseren Empfehlungen zu Reformen des österreichischen Gesundheitswesens anschließt", sagt Dorner. Nun sei es an der Zeit, sich mit den eigentlichen Fachleuten und Trägern des Gesundheitssystems, den Ärztinnen und Ärzten, zusammenzusetzen, um die Reformvorhaben effizient voranzutreiben.

Der Ärztekammerpräsident erwartet sich eine deutliche Stärkung des niedergelassenen Bereichs, vor allem was die Finanzierung und Honorierung betrifft, sowie die Entbürokratisierung des Krankenhaussystems. Auch hofft Dorner auf eine "regional behutsame Anpassung der Strukturen". Die Verhältnisse in einer Großstadt wie Wien seien anders zu bewerten als die Notwendigkeit einer flächendeckenden Versorgung am Land: "Ein flexibles System, das ambulante Gruppenordinationen erlaubt, die auch finanziell überlebensfähig sind, ist sicherlich gut."

Keine Limitierung beim Zugang zur Spitzenmedizin

Laut dem Ärztekammerpräsidenten sollte grundsätzlich überdacht werden, ob die Finanzierung des Gesundheitssystems aus zwei Töpfen erfolgen müsse. Wesentlich sei jedenfalls, dass die Gesundheitsreform nicht als Alibi dafür verwendet werde, mit dem Rechenstift medizinische Leistungen zu reduzieren, den Zugang zur Spitzenmedizin zu reglementieren und zu limitieren sowie einen Verwaltungsapparat aufzublähen, der letztendlich weder Fortschritte für das Gesundheitssystem noch Vorteile für die Patienten mit sich brächte.

Erste Kritik übt Dorner jedenfalls am Umstand, dass bei der angedachten Gesundheitsreform Maßnahmen zur Prävention sowie die Thematisierung der Pflege fehlten, "was angesichts der demografischen Entwicklungen und damit der bereits aktuell vorherrschenden Altersgesellschaft besonders wichtig wäre".

In diesem Zusammenhang weist Dorner auch darauf hin, dass die Ausgaben für das Gesundheitssystem in Österreich auch in Zukunft steigen werden, weil die Bevölkerung älter werde, der Pflegebedarf sich erhöhe, der medizinische Fortschritt Geld koste und auch in Forschung und Ausbildung investiert werden müsse. "Ich stehe vollinhaltlich zur Notwendigkeit einer Gesundheitsreform in Österreich - aber unter den Voraussetzungen von Nachhaltigkeit und Qualitätsorientierung sowie der Einbindung der Ärzteschaft in den Diskussionsprozess." (hpp)

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