"Pfarrer-Initiative": Neues Buch will Versachlichung der Debatte

Wiener Theologe Tück bringt in neuem Buch über Pfarrer-Initiative und Kirchenreform u.a. Kardinal Schönborn, Helmut Schüller und Paul Zulehner "an einen Tisch"

Wien, 01.02.12 (KAP) "Pfarrer-Initiative", "Aufruf zum Ungehorsam", Kirchenreformdebatte - in das Gewirr an Schlagworten, die in den letzten Monaten die Gemüter erhitzt haben, platzt nun ein neues Buch, dass den Anspruch stellt, die laufenden Debatten zusammenzuführen und zu versachlichen. "Risse im Fundament? Die Pfarrerinitiative und der Streit um die Kirchenreform" heißt der im Freiburger Herder-Verlag erschienene Band des Wiener Theologe Jan-Heiner Tück. Das besondere daran: Tück versammelt in dem Ende Februar erscheinenden Buch erstmals die zentralen Stimmen und Stichwortgeber der Debatte an einem Tisch: Kardinal Christoph Schönborn, den Obmann der "Pfarrer-Initiative", Helmut Schüller, Paul M. Zulehner, die Wiener Pastoralamtsleiterin Veronika Prüller-Jagenteufel und andere.

Geklärt werden soll in dem Buch laut Tück die Frage, "wie tief der Dissens wirklich reicht". Deuten sich gar "Risse im Fundament der Kirche an, die sich zu einer echten Spaltung auswachsen können?" fragt der Theologe in seinem Vorwort. Tatsächlich sei die Situation "alles andere als harmlos", hat die österreichische Initiative doch mittlerweile zahlreiche Nachahmer und Ableger auch im internationalen Raum gefunden. Es bestehe die Gefahr, warnt Tück, dass durch überzogene Erwartungen an die kirchlichen Reformbestrebungen, durch Ungeduld, aber auch durch "unverhohlene Dreistigkeit" die "sakramentale Grundstruktur der Kirche" untergraben werde.

Die Beiträge stehen dabei laut Tück nicht unverbunden nebeneinander - vielmehr sei allen Autoren und Beiträgen die Sorge "um die Zukunft der Kirche" gemeinsam. "Es besteht Einigkeit darin, dass der aktuelle Zustand der Kirche kritisch ist und Reformen dringend notwendig sind. Strittig ist allein der Weg, der aus der Krise herausführen soll." Während nämlich die "Pfarrer-Initiative" Strukturdefizite attestiere und sich für Änderungen einsetze, setze ein Großteil der Bischöfe auf einen anderen, sanfteren Reformweg, der der "Glaubenskrise durch den Aufbau einer glaubensstarken Kirche in der Gesellschaft" entgegentreten will, so Tück.

Insgesamt fordert Tück ein höheres Maß an Demut bei allen Beteiligten ein. Die Tiefe der Krise rufe Bischöfe, Priester und Gläubige gleichermaßen dazu auf, "die aktuelle Kirchenkrise als Anlass zur Umkehr und Erneuerung zu begreifen". Ein zunehmender "religiöser Analphabetismus" auf der einen Seite und ein gleichzeitig steigendes Bedürfnis nach religiöser und ethischer Orientierung auf der anderen Seite würden die Kirche zunehmend unter Zug- und Reformzwang setzen, so Tück, der in einem eigenen Beitrag die Forderungen der "Pfarrer-Initiative" einer kritischen Würdigung unterzieht.

Frontstellungen aufbrechen möchte etwa Kardinal Christoph Schönborn. So zeige ein detaillierter Blick auf die Praxis der Seelsorge bei wiederverheirateten Geschiedenen, dass die Kirche ganz und gar nicht unbarmherzig sei, sondern - etwa in Form der von ihm für die Erzdiözese Wien eingeführten "Fünf Aufmerksamkeiten" - nach Wegen sucht, der Realität ins Auge zu blicken und zugleich Barmherzigkeit zu üben.

Mehr auf www.kathpress.at (ende) hkl/fam/

nnnn

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KAT0001