Kritik aus Reihen der Kirche an Straches "Juden-Vergleich"

Theologie-Dekan Jäggle sieht Armutszeichen für politische Kultur in Österreich - Jugendseelsorger Jansen hält Ordensverleihung an FPÖ-Obmann angesichts dessen "Grenzverletzung" für "unangemessen"

Wien, 31.01.12 (KAP) Scharfe Kritik aus den Reihen der katholischen Kirche hat der "Juden-Vergleich" von FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache ausgelöst. Der Dekan der Wiener katholisch-theologischen Fakultät, Martin Jäggle, bezeichnete die Äußerungen Strache am Ball des Wiener Korporationsringes als Armutszeichen für politische Kultur in Österreich, Jugendseelsorger Gregor Jansen stellte angesichts der "Grenzverletzung" des FPÖ-Politikers dessen Ehrung mit dem "Großen Goldenen Ehrenzeichen mit dem Stern" infrage.

Für Jäggle, der auch Präsident des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit ist, sind diese Aussagen in zweifacher Hinsicht erschreckend, wie er am Dienstag gegenüber "Kathpress" sagte: So wie Strache würden auch etliche andere in Österreich denken, und hierzulande seien die kulturell-politischen Standards offenbar derart niedrig, dass derlei Vergleiche fallen, ohne dass Konsequenzen gezogen werden müssen. Dass sich ein Spitzenpolitiker öffentlich derart "schamlos" äußere, sei "nur in Österreich denkbar" und widerspreche ethischen Standards, die in vergleichbaren westeuropäischen Demokratien gelten.

Gregor Jansen, für die Jugendkirche Wien zuständiger Seelsorger, kritisierte "die Stilisierung der vereinten Rechten als verfolgte Minderheit" und die "Unglaublichkeit, am Holocaust-Gedenktag zu behaupten, die 'neuen Juden' zu sein". Dass Strache dies offenbar abseits medialer Öffentlichkeit zu sagen meinte, mache die Sache nicht besser, so Jansen. Jedenfalls habe der FPÖ-Politiker mit Sicherheit gewusst, dass er seine Vergleiche am Gedenktag des millionenfachen Mordes an Juden zog, so der Priester gegenüber "Kathpress".

Jansen nannte die Strache-Äußerungen Grund genug, dessen geplante Auszeichnung für Verdienste um die Republik Österreich "als unangemessen zu betrachten".

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