Gerti Drassl von ORF-Hörspiel-Jury zur "Schauspielerin des Jahres 2011" gewählt

Wien (OTS) - Gerti Drassl wurde von der ORF-Hörspiel-Jury zur "Schauspielerin des Jahres 2011" gekürt. Die Ehrung wird im Rahmen der "Ö1 Hörspiel-Gala" am 24. Februar im Wiener ORF-RadioKulturhaus stattfinden.

Seit 1997 wählt eine Fachjury aus ORF-Hörspielregisseurinnen und -regisseuren die Schauspielerin oder den Schauspieler des Jahres. Diesmal fiel die Wahl auf Gerti Drassl, "eine der intensivsten, eigenwilligsten und kraftvollsten Stimmen, die das zeitgenössische Hörspiel kennt". Die Ehrung der "Schauspielerin des Jahres 2011" wird einer der Höhepunkte der "Ö1 Hörspiel-Gala" am 24. Februar im RadioKulturhaus sein, die Laudatio hält Hörspielregisseur Götz Fritsch.

Gelegentlich wirkt sie wie ein scheues, waidwundes Tier. Man sieht, obwohl man im Radio bekanntlich gar nichts sieht, die weit geöffneten Augen, man fühlt den Schmerz, man leidet mit. Egal ob als blinde Pianistin Maria Theresia von Paradis in Alissa Walsers Romanadaption "Am Anfang war die Nacht Musik", ob als junge, anlehnungsbedürftige und Kokain schnupfende Prostituierte in Daniela Kletzkes Theodor-Kramer-Portrait "Ich bin schon nicht mehr hier" oder als eigenwillige junge Frau und Liebesmörderin in Susanne Ayoubs historischem Kriminalstück "Marie. Ein Fall". Oft genügt ein einzelnes, gehauchtes Wort, ein Halbsatz, um die nackte menschliche Existenz, um das Leiden der Kreatur sichtbar, hörbar und fühlbar zu machen. Gerti Drassl verfügt über diese Fähigkeit. Sie verfügt über die Technik, die Mittel, den Willen und über eine ebenso stabile wie exaltierte Persönlichkeit. In "Marie. Ein Fall" gibt es eine Sequenz, in der sie dem Untersuchungsrichter - gespielt von Wolfgang Hübsch -nacheinander verschiedene und widersprüchliche Versionen des Tathergangs herzählt. Jede einzelne davon ist absolut glaubwürdig. Es könnte so gewesen sein - aber auch ganz anders. Innerhalb von Augenblicken fächert die 1978 in Bozen geborene Schauspielerin die Wahrheit in viele verschiedene Wahrheiten auf. Atemlos umrundet sie den Kosmos der Möglichkeiten und demonstriert, allein durch ihre Stimme und durch ihre Ausdruckskraft, was Literatur zu leisten vermag: eine Vervielfachung der Erfahrungsräume, die Pluralität der Möglichkeiten, die Abkehr vom Prinzip der Alleinherrschaft einer einzigen Perspektive. "Das Hörspiel", sagt Gerti Drassl, war die "Entdeckung eines Neulands". Denn der Körper steht als Ausdrucksmittel nicht zur Verfügung und man hört sofort, wenn man nicht im Text und nicht "bei einem selber" ist. Das Hörspiel, so Drassl, "verzeiht nichts". Und das sei ein ernsthafter Grund die Herausforderung anzunehmen.

Nach der Matura übersiedelt Gerti Drassl nach Wien, absolviert das Max-Reinhardt-Seminar und wird, nach einigen Gastspielen in Südtirol, von Karl Heinz Hackl ans Theater in der Josefstadt engagiert - jenem Haus, dem sie bis heute die Treue hält. Bereits 2003 erhält sie den Nestroy-Theaterpreis als "beste Nachwuchsschauspielerin", 2006 eine Romy als "beliebtester weiblicher Shootingstar". Nebenher und zwischendurch leistet sie sich Ausflüge an andere Bühnen und arbeitet für den Film. Sie dreht mit Wolfgang Murnberger, Michael Sturminger und Elisabeth Scharang, sie spielt in Stücken von Tschechow, Shakespeare, Turrini, Tennessee Williams und Ödön von Horvath. 2004 betritt sie zum ersten Mal das Hörspielstudio im ORF-Funkhaus in Wien. Regisseur Harald Krewer, den sie noch vom Reinhardt-Seminar kannte, hatte sie eingeladen, in einem Stück des österreichischen Schriftstellers Martin G. Wanko mitzuwirken. Seither hat Gerti Drassl in mehr als zwanzig Hörspielen mitgewirkt. Darunter Bearbeitungen von Heimito von Doderer und Hans Lebert, Stücke von Robert Woelfl und Jura Soyfer, von Eberhard Petschinka und Cesare Pavese. Sie spielte Hauptrollen an der Seite von Birgit Minichmayr, Erwin Steinhauer, Erni Mangold, Peter Simonischek und Peter Matic. Allein 2010 war sie in sechs Produktionen zu hören.

Am 24. Februar wird Drassl als "Schauspielerin des Jahres 2011" im RadioKulturhaus geehrt und folgt damit bisher Ausgezeichneten wie Rudolf Wessely, Michou Friesz, Martin Schwab, Bibiana Zeller, Peter Simonischek, Peter Matic, Andrea Clausen, Erwin Steinhauer, Chris Pichler, Elisabeth Orth oder Cornelius Obonya. Nähere Informationen zum Programm von Österreich 1 sind abrufbar unter http://oe1.orf.at. (ih)

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