Inklusion bedeutet selbstbestimmt zu leben - auch mit schweren Behinderungen, so der Tenor bei der HABIT Fachtagung

Wien (OTS) - Wie lässt sich intensive Betreuung und Begleitung von Menschen mit schwerer intellektueller und Mehrfachbehinderung mit selbstbestimmtem Leben und Wahlfreiheit vereinbaren? Wie können wir die Umsetzung der UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderung auch für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf gewährleisten? Diese Fragen beantworteten ExpertInnen wie Professor Dr. Andreas Fröhlich gestern, Donnerstag, bei der HABIT Fachtagung "Inklusion für alle!" im Studio 44 der Österreichischen Lotterien. Die Referenten stellten den rund 300 TeilnehmerInnen Konzepte, Methoden und Best Practice Beispiele vor.

Akzeptieren, dass Menschen verschieden sind
"Über die Inklusion von Menschen mit Behinderung soll auch eine Erneuerung der Gesellschaft erreicht werden", erläuterte der deutsche Univ.-Prof. Dr. Andreas Fröhlich, der das Konzept der Basalen Stimulation entwickelt hat. Es gehe darum, sich intensive Gedanken darüber zu machen, wie man auch mit speziellen Einschränkungen und Möglichkeiten sein eigenes Leben leben kann, so Andreas Fröhlich:
"Wir müssen akzeptieren, dass Menschen verschieden sind. Und im Basalen Tageszentrum von HABIT habe ich gesehen, dass ein Zusammenleben möglich ist." In 14 vollbetreuten Wohngemeinschaften und vier Basalen Tageszentren in Wien und Niederösterreich schafft das "Haus der Barmherzigkeit Integrationsteam" (HABIT) barrierefreien Lebensraum für rund 260 Menschen mit basalem Unterstützungsbedarf. Basale Stimulation wird nicht nur bei HABIT sondern in zahlreichen Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen eingesetzt und hat das Ziel, schwer mehrfachbehinderten Menschen den eigenen Körper und die unmittelbare Umgebung über verschiedene Wahrnehmungsbereiche erfahrbar zu machen, und Kommunikation zu ermöglichen.

UN-Konvention in Österreich noch nicht erfüllt
HABIT beweist seit 10 Jahren, dass auch für behinderte Menschen mit hoher Pflegebedürftigkeit Leben in familienähnlichen Wohngemeinschaften möglich ist. Leider ist dieses Wohnangebot in Österreich noch kein Standard: Wie Mag. Tobias Buchner von der Universität Wien ausführte, decken in Österreich Einrichtungen mit über 100 BewohnerInnen, immer noch 25% des Wohnangebotes für Menschen mit schweren Behinderungen ab. Großeinrichtungen stehen im deutlichen Widerspruch zum Inklusionsgebot der UN-Konvention. Hier wird es in den nächsten Jahren zu einem Umdenken kommen müssen. Deinstitutionalisierungsprojekte wie HABIT können hier einen Weg in die Zukunft weisen.

ReferentInnen der HABIT Fachtagung
Bei der HABIT Fachtagung referierten Univ.-Prof. Dr. Andreas Fröhlich, Menschenrechtsexpertin Mag.a Marianne Schulze, Mag. Tobias Buchner vom Institut für Bildungswissenschaften der Universität Wien, Mag.a Elisabeth Tschann vom IFS Vorarlberg sowie HABIT-Geschäftsführerin Mag.a Gabriele Hetzmannseder, MBA, die gemeinsam mit KlientInnen und MitarbeiterInnen das Konzept der gemeinwesenintegrierten Wohngemeinschaften und Basalen Tageszentren von HABIT vorstellte. Am Podium diskutierten außerdem Heinrich Fehling, Leben Pur München, Anita Bauer, Fonds Soziales Wien, Sylvia Zagler, Selbstvertreterin, Dr. Hansjörg Hofer, Anwalt für Gleichbehandlungsfragen und Wolfgang Waldmüller, Geschäftsführer von HABIT. Für Moderation und Rahmenprogramm zeichneten Mag. Thomas Schweinschwaller und Daniel Morelli verantwortlich.

Die Österreichischen Lotterien, Gesiba und Miele unterstützten die HABIT Fachtagung.

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