• 26.01.2012, 12:06:46
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Wirtschaftsministerium fördert die Zählerindustrie auf Kosten der VerbraucherInnen

Die Mietervereinigung Österreichs spricht sich gegen die Zwangseinführung von Smart Meters zugunsten einzelner Wirtschaftskreise aus.

Wien (OTS) - Seitens des Wirtschaftsministeriums wird in den
nächsten Tagen eine Verordnung erlassen, die eine zwangsweise
Umstellung von Stromzählern auf sogenannte Intelligente Messgeräte
bis 2018 vorsieht.

Was sind Smart Meters?

Bei Smart Meters handelt es sich um digitale Zählgeräte, die den
Energieverbrauch in kurzen Zeitintervallen erfassen und über
Datenleitung oder Funksignal an den Energieversorger weiterleiten.
Teile der Energiewirtschaft begrüßen die Einführung mit dem Argument,
dass dadurch eine bessere Information der Konsumenten möglich sei,
die in der Folge zu einem effizienteren und kostengünstigeren
Verbrauchsverhalten führen soll. Darüber hinaus wird mit einem
besseren Service und mehr Komfort für den Kunden geworben. Die
jährlichen Ablesetermine fielen weg. Die Auswahl verschiedener
Anbieter und Tarifmodelle werde erleichtert.

Alles eitel Wonne also? "Nicht so ganz", meint Georg
Niedermühlbichler, Präsident der Mietervereinigung Österreichs. Denn
abgesehen davon, dass der angepriesene Nutzen der Smart Meters
umstritten ist, bringt die Einführung der neuen Messgeräte eine Reihe
von Problemen für die Abnehmer mit sich.

Wer zahlt die Kosten der Umstellung?

Smart Meters sollen helfen, Energiekosten zu senken. Gut, falls es
klappen sollte, wenngleich der Optimismus, dass die neuen Zähler
praktisch automatisch zu Veränderungen im Verbrauchsverhalten führen
werden, nicht nachvollziehbar ist.

Davon abgesehen kosten die neuen Geräte natürlich auch Geld. Und
das nicht zu knapp: Wolfgang Anzengruber, der Vorstandsvorsitzende
der Verbund AG schätzt die Umstellungskosten auf zwei Milliarden
Euro. Pro Haushalt mit Zähler ergäbe das einen Betrag von rund 360
Euro, die an die Haushalte weitergegeben würden, zusätzlich kommen
für die laufende Betriebsführung Kosten in der Höhe von Euro 60 bis
Euro 240,- hinzu. "Die möglichen Kosteneinsparung schätzt man auf 9,-
bis 42,- Euro pro Jahr und Haushalt, hält Georg Niedermühlbichler
fest, "für die AbnehmerInnen also ein Verlustgeschäft."

Wer schützt vor Datenmissbrauch?

Die Kosten der Einführung der Smart Meters sind nicht der einzige
Problembereich. Datenschützer warnen davor, dass durch die genaue
Erfassung der Daten personenbezogen Rückschlüsse auf die
Verbrauchsgewohnheiten getroffen werden können. Auch die Anfälligkeit
des Zählernetzes für Hackerangriffe ist, wie sie in den vergangenen
Monaten regelmäßig durch die Schlagzeilen gingen, ist bislang
ungelöst. Eine nicht zu unterschätzende Gefahr, bedenkt man, dass
über die Datenleitung auch die Fernabschaltung der Energieversorgung
möglich gemacht wird. Doch datenschutzrechtliche Mindeststandards und
die Sicherheit gegen unbefugten Zugriff spielen in der Diskussion um
die Einführung der Smart Meters derzeit kaum eine Rolle.

Die Mietervereinigung begrüßt daher die Stellungnahme der
Arbeiterkammer und fordert die Zwangseinführung der "intelligenten
Stromzähler" auszusetzen, solange die offenen Punkte ungelöst sind.
Überhaupt nicht in Frage kommt für die Konsumentenschützer, dass die
Umstellungskosten von den Haushalten getragen werden. Denn es sind
neben den Hardwareherstellern vor allem Energieversorger, die durch
die genaue Erfassung des Verbrauchs ihre Tarifgestaltung optimieren
können. Die Mietervereinigung verlangt daher vor der zwingenden
Einführung der Smart Meters vom Gesetzgeber eine objektive
Kosten-Nutzen-Rechnung aus Sicht der Konsumenten, und klare
Regelungen über Art und Umfang der fernübertragenen Informationen in
den Bereichen Datenschutz und Datensicherheit.

Abschließend kritisiert Niedermühlbichler auch den bisherigen
Umgang mit diesem wichtigen Thema, eine Information an den
Endverbraucher hat es de facto nicht gegeben. Eine Überrumpelung der
Endverbraucher ist abzulehnen, zuerst bedarf es einer umfangreichen
Aufklärung der Endverbraucher.

Rückfragehinweis:
Mag Nadja Shah
01 40185 10 /n.shah@mvoe.at
Mietervereinigung Österreichs
1010 Wien Reichsratsstraße 15
www.mietervereinigung.at

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