Podiumsdiskussion über die Zukunft der ambulanten medizinischen Versorgung

Lehrpraxen ein zentraler Lösungsansatz

Wien (OTS) - Im Rahmen einer prominent besetzten Podiumsdiskussion stellte gestern, Dienstag, Abend die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK), Bundeskurie niedergelassene Ärzte, das Buch "Arzt der Zukunft - Zukunft des Arztes" vor. Vierzehn österreichische und deutsche Experten beleuchten darin die Lage der niedergelassenen Medizin und die Gefahr des Ärztemangels, aber auch Möglichkeiten, die drohende Versorgungskrise zu vermeiden.

Eine der wichtigsten Fragen lautete: Wie kann man den Beruf des niedergelassenen Arztes wieder so attraktiv machen, dass sich mehr Jungärzte für diese Aufgabe entscheiden? Günther Wawrowsky, Obmann der Bundeskurie niedergelassene Ärzte, ging in seiner Einleitung auf die Begrüßungsworte von Gesundheitsminister Alois Stöger ein: "Es ist erfreulich, dass Mminister Stöger die Wichtigkeit einer qualitativ hochwertigen medizinischen Ausbildung betont. Dennoch haben wir seit seit zehn Jahren keine ordentliche Regelung für die Finanzierung von Lehrpraxen."

Mangelnde Praxisausbildung eine Ursache für Ärztemangel

Die Allgemeinmedizinerin und Vizepräsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM), Susanne Rabady, betonte:
Nicht den Beruf müsse man attraktiv machen, sondern die Arbeitsbedingungen und die Ausbildung. Dass junge Ärztinnen und Ärzte weder an den Medizinuniversitäten noch im Turnus auf die Arbeit "draußen" vorbereitet würden, sei eine der wesentlichen Ursachen für den drohenden Ärztemangel, erklärte Rabady, die selbst eine Lehrpraxis betreibt.

Dem pflichtete Gert Wiegele, stellvertretender Obmann der Bundeskurie niedergelassene Ärzte, bei und hob hervor: "Jungmediziner erfahren im Turnus weder etwas über die alltäglichen Herausforderungen, mit denen ein niedergelassener Arzt zu kämpfen hat, noch haben sie die Chance zu erleben, wie abwechslungsreich und erfüllend dieser Beruf ist". Wiegele, der in Kärnten eine Kassenpraxis für Allgemeinmedizin betreibt, empfindet es als eine "Zumutung, dass die Politik bei der Förderung von Lehrpraxen noch immer auf der Stelle tritt". Zumald die Lehrpraxis beide essenziellen Ziele erfüllen würde: eine solide Vorbereitung auf die Arbeit im niedergelassenen Bereich und, so Wiegele, "die beste Image-Werbung für den Job als Allgemeinmediziner", die man sich vorstellen könne.

Zehn Millionen für Lehrpraxen

In Österreich stünden 900.000 Euro jährlich für Lehrpraxen zur Verfügung. Nötig seien zehn Millionen - eine, so Wiegele, "lächerliche Summe verglichen mit den Millionen, die sonst in den Finanzströmen des Gesundheitssystems fließen". In zwei Drittel aller europäischen Länder würden Lehrpraxen von der öffentlichen Hand gefördert. Kurienobmann Wawrowsky: "Österreich hinkt internationalen Standards in der Ausbildung von Allgemeinmedizinern nach. Eine verantwortungsvolle Gesundheitspolitik wird daher um eine ordentliche Mitfinanzierung nicht herumkommen." In Deutschland hätten die Krankenkassen den systemerhaltenden Wert der Lehrpraxen längst erkannt, erklärte der Bundesvorsitzende des deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt. Dort finanzieren Kassen und ausbildende Ärzte gemeinsam die Gehälter der in den Lehrpraxen auszubildenden Jungmediziner. Mehr noch - in Deutschland ist eine zweijährige Lehrpraxis für Allgemeinmediziner verpflichtend. Damit konnte, so Weigeldt, auch der Stellenwert des Allgemeinmedziners gestärkt werden - sowohl unter den angehenden Ärzten als auch gegenüber den Patienten. (ar)

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Infos zur Veranstaltung und zum Buch "Arzt der Zukunft - Zukunft des Arztes" unter www.meinarzt.aerztekammer.at

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