VKI: Urteile gegen Finanzkeiler

VKI setzt Schadenersatz für falsche Anlageberatung gerichtlich durch

Wien (OTS/VKI) - Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat
in drei Musterprozessen gegen verschiedene Anlageberater - geführt im Auftrag des Konsumentenschutz-ministeriums - Recht bekommen. Zwei Urteile sind rechtskräftig. In allen Fällen wurden KleinanlegerInnen riskante Produkte bzw. Kreditkonstruktionen als "sicher" verkauft und über die innewohnenden Risiken nicht aufgeklärt.

Die "EFS Euro Finanz Service Vermittlungs AG" in Salzburg und die "Contectum Investment-Consulting GmbH" in Graz haben Kleinanlegern, die einem Risiko völlig abgeneigt waren, MEL-Zertifikate als "sicheres" Investment angeboten. Das jeder Einzelaktie innewohnende Risiko von Kursverlusten bis hin zu einem Totalverlust wurde geflissentlich verschwiegen. In schriftlichen Unterlagen fanden sich zwar entsprechende Hinweise, doch diese Unterlagen wurden nur als "Formalität" abgetan und von den KonsumentInnen ungelesen unterzeichnet. Nach den Kursverlusten hat der VKI - nach Abtretung der Ansprüche - Schadenersatz gegen die Berater eingeklagt. Daraufhin kam - wie in solchen Fällen stets - das Argument, dass die Beratenen bereits zu einem früheren Zeitpunkt die falsche Beratung durchschauen hätten müssen und Schadenersatzansprüche daher verjährt seien. Die Gerichte entschieden im Sinn der geschädigten AnlegerInnen: Das Verschweigen von Risiken ist schuldhafte falsche Anlageberatung, wofür die Beratungsunternehmen haften. Die Falschberatungen seien erst im Augenblick der Kursabstürze erkennbar gewesen, die Klagen daher nicht verjährt. Die Gerichte sprachen Schadenersatz zu. Das Urteil gegen EFS ist rechtskräftig.

Im dritten - ebenfalls sehr typischen Fall - vermittelte der Vermögensberater Isamberth aus Graz zwei zwanzigjährigen Salzburgerinnen, die ursprünglich einen Kredit für einen Wohnungskauf aufnehmen wollten, einen Fremdwährungskredit weit über der benötigten Summe und überredete die Konsumentinnen, das angesparte Kapital als Einmalerlag in Lebensversicherungen - zum Teil mit einer Laufzeit von 75 Jahren (!) - zu investieren. Auch hier dasselbe Bild:
Konservativen und unerfahrenen Anlegerinnen wird ein riskantes Gesamtfinanzierungskonzept vorgeschlagen, ohne die Risiken im Detail darzustellen. Auch hier wurde - vom OLG Linz bestätigt -rechtskräftig Schadenersatz zuerkannt.

Auch die rund 2.500 TeilnehmerInnen an den Sammelklagen gegen den AWD - hier steht der Vorwurf der systematischen Fehlberatung bei Immobilienaktien im Raum - schildern ähnliche Erlebnisse. Diese Verfahren werden erst in den nächsten Jahren von den Gerichten entschieden.

"Aus den zahlreichen Fällen rund um die Vermittlung von MEL-Zertifikaten, Immobilienaktien und Fremdwährungskrediten zeigt sich eines ganz klar: Die von den jeweiligen Produkt-Emittenten bezahlten Provisionen treiben die Vermittler - im finanziellen Eigeninteresse - dazu, den Kunden Produkte als sicher darzustellen und Gefahren zu verschweigen, nur um Provisionen zu verdienen. Eine anlegergerechte Beratung bleibt da sehr oft auf der Strecke", kritisiert Dr. Peter Kolba, Leiter des Bereiches Recht im VKI. "Daher müsste - will man aus den Schadensfällen lernen - eine Abkehr von der Provisionsberatung hin zu einer Honorar-beratung erfolgen."

Die genannten Urteile sind auf www.verbraucherrecht.at kostenlos zugänglich.

Rückfragen & Kontakt:

Verein für Konsumenteninformation
Dr. Peter Kolba, Leiter Bereich Recht
Tel.: 01 / 58877 - 320

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