Ein richtiger Schritt ist zu wenig

Innsbruck (OTS/TT) - Untertitel: Niko Pelinka hat seine Bewerbung als Büroleiter von Alexander Wrabetz zurückgezogen. Und stilisiert sich jetzt zum Opfer. Gelitten hat aber nur der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der jetzt seine Chance zur Reform nutzen muss.

Von Christiane Fasching
Das Büroleiter-Schild von Niko Pelinka wandert in den Küniglberg-Müll. Am Donnerstag hat der einstige ORF-Stiftungsrat seine Bewerbung um den zu spät ausgeschriebenen Posten zurückgezogen. Und die Welt darüber mittels schriftlicher Erklärung in Kenntnis gesetzt. Die "andauernde öffentliche Debatte" über seine Person sei nicht mehr akzeptabel gewesen, heißt es da. "Untergriffige Angriffe" gegen ihn, seine Familie und Freunde wolle er fortan vermeiden, "dieses unwürdige Theater" niemandem mehr zumuten. Dass Pelinka -neben Generaldirektor Alexander Wrabetz - selbst Co-Regisseur dieses bizarren Schauspiels war, gesteht er sich jedoch nicht ein. Lieber stilisiert er sich zum Opfer und indirekt auch zum Beschützer des ORF, dessen Ansehen er natürlich nicht schaden wollte. Dabei hat die Büroleiter-Affäre das Image des öffentlich-rechtlichen Senders stark angekratzt - daran ändert auch der Rückzug des SPÖ-Aufstrebers nichts.
Die Causa Pelinka zeigt vielmehr, dass in der ORF-Führungsetage nach wie vor parteipolitische Spielchen gespielt werden. Der jüngst geführte Postenschacher brachte das Fass bloß zum Überlaufen und nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch die ORF-Journalisten in Rage. Womit wir beim einzigen positiven Punkt der unrühmlichen Tragikomödie wären - so politisch beeinflussbar Generaldirektor Wrabetz auch sein mag, so unabhängig agierten seine Mitarbeiter in dieser Sache. Die Proteste der Journalisten waren massiv und modern (es wurde eifrig getwittert und geyoutubed) und haben schlussendlich auch dazu geführt, dass Wrabetz die Reißleine zog - und umstrittene Bestellungen vom Tisch gewischt wurden.
Das Thema der politischen Einflussnahme auf den ORF ist damit aber noch lange nicht vom Tisch. Leider. Umso wichtiger wäre es, dass der Stiftungsrat, der heute tagt, seinem Plan treu bleibt und trotz der aktuellen Ereignisse die ORF-Personalpolitik diskutiert. Um "unwürdige Theater" künftig zu vermeiden. Zudem wären aber auch strukturelle Änderungen des Unternehmens notwendig, wie sie dieser Tage mehrfach vorgeschlagen wurden. Am Donnerstag auch von Wrabetz selbst - der Idee einer "Cooling-off"-Phase, die verhindern würde, dass Stiftungsräte, die den Generaldirektor wählen, sofort in ORF-Führungsposten wechseln können, steht er wohlwollend gegenüber. Das wäre die Chance für den Beginn einer neuen, unabhängigeren

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