Gesundheitsberufe: Weg vom Standardpatienten - hin zur personalisierten Medizin 1

Enorme Belastung durch Ökonomisierung

Wien (OTS) - Das Thema "Die Zukunft des Gesundheitswesens" dominierte den zweiten Tag der Gesundheitsberufe, der am Donnerstag im Gesundheitsministerium über die Bühne ging. Im Mittelpunkt der lebhaften Diskussionenen stand die Frage, wie altersgerechte Behandlung und Pflege von der Kindheit bis ins hohe Alter aussehen sollten. Einig waren sich die Teilnehmer darin, dass es einen Paradigmenwechsel im österreichischen Gesundheitswesen braucht - weg von der Ökonomisierung, hin zu mehr Patientenorientiertheit und Individualisierung bzw. hin zur personalisierten Medizin.

Ökonomisierung ist enorme Belastung

Demografische Entwicklungen und ihre Auswirkungen auf das Gesundheitssystem wurden ausgiebig erörtert. Dabei lieferte Hagen Kühn, früherer Leiter der Abteilung Public Health am Wissenschaftszentrum Berlin, mit seiner These, dass die gängigen Prognosen realitätsfern seien, genügend Zündstoff. Die aktuellen Prognosen, so Kühn, würden von einer steigenden Belastung des Gesundheitssystems durch mehr ältere, multimorbide Menschen ausgehen. Trendwenden seien jedoch nicht vorhersehbar, die Konzentration auf die Demografie sei einseitig. Vielmehr gebe es ein Einnahme- und Verteilungsproblem. Kühn: "Die Produktivität der Erwerbstätigen wächst proportional zur Altersstruktur - allerdings schlägt sich diese Produktivitätssteigerung nicht in den Löhnen und Gehältern nieder, was letzten Endes zu einem Finanzierungsproblem führen wird." Auf die Gesundheitsberufe komme durch die Ökonomisierungstendenzen eine enorme subjektive Belastung zu, denn "das Geld entscheidet über die Existenz von Spitälern, Abteilungen, Stationen und Ordinationen", führte Kühn aus. Die Patienten würden aber eine Behandlung in ihrem subjektiven Interesse erwarten, nicht im Interesse Dritter. Die Beziehung zwischen Arzt und Patient dürfe nicht zur Geschäftsbeziehung verkommen; langfristig gehe sonst nämlich das persönliche und soziale Vertrauen in die Medizin verloren. (Forts.) (sl/ms)

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