Leichtes Minus bei Gründerzahlen 2011: Leitl fordert bessere Rahmenbedingungen für Gründer

Neues Modell von WKÖ und SVA entlastet Jungunternehmer und vermeidet Liquiditätsengpässe - JW-Roth: "Beteiligungsfreibetrag und GmbH light müssen her!"

Wien (OTS/PWK035) - "Eine mögliche Strategie der positiven Zukunftsbewältigung ist es, junge Menschen zu überzeugen, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen. Für die Wirtschaftskammer ist es ein zentraler Punkt, diese Neugründer vorzubereiten und zu unterstützen", erklärte WKÖ-Präsident Christoph Leitl, anlässlich der Präsentation der Gründerzahlen 2011, heute Donnerstag im Haus der Wirtschaft in Wien. Insgesamt 28.320 Unternehmen wurden im Vorjahr (exkl. der Berufsgruppe der selbständigen Personenbetreuer) gegründet. Das sind um 4,45 Prozent oder 1.320 Gründungen weniger als 2010. Die Gründe für den Rückgang sieht Leitl vor allem in der allgemeinen Unsicherheit durch Währungs- und Schuldenkrise sowie der rückläufigen Wirtschaftsentwicklung. Als besonders positiv hob der WKÖ-Präsident die hohe Überlebensdauer der neugegründeten Unternehmen - knapp 70 Prozent sind nach fünf Jahren immer noch erfolgreich am Markt tätig -sowie den hohen Frauenanteil - mit 40,8 Prozent der höchste je da gewesene Wert - hervor. "Mit beiden Werten befindet sich Österreich im europäischen Spitzenfeld", so Leitl.

Neues Modell von WKÖ und SVA entlastet Gründer durch Förderung der Liquidität

Für 2012 brauche es dringend Maßnahmen und Rahmenbedingungen, um trotz fordernder Zeiten wieder mehr Gründer zu motivieren und Jungunternehmern unter die Arme zu greifen. "Die WKÖ wird aber in Zeiten des Sparens sicher keine teuren Programme vom Staat fordern, sondern geht bei der Unterstützung der Gründer mit gutem Beispiel voran", stellte Leitl ein gemeinsam mit der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) erarbeitetes Modell zur Entlastung der Jungunternehmer durch Förderung der Liquidität vor: Statt wie bisher drei Jahre nach der Gründung Nachbelastungen (Kranken- und Pensionsversicherung) in vier Teilbeträgen innerhalb eines Jahres nachzuzahlen, was auch für erfolgreiche Jungunternehmer zu Liquiditätsengpässen führen kann, soll künftig die etwaige Nachzahlung an die SVA zinsenfrei auf drei Jahre - in 12 Teilbeträgen - möglich sein. " Bei einem durchschnittlichen monatlichen Einkommen von 3.000 Euro zahlt ein Unternehmer dann statt 4.443 Euro pro Quartal nur mehr 1.481 Euro pro Quartal nach und wird so punkto Liquidität in einer ohnehin sehr investitionsintensiven Zeit massiv entlastet", erklärte Leitl. Das Modell, von dem rund 36.000 Jungunternehmer profitieren können und das der SVA zwischen 500.000 und 1 Million Euro kostet, will der WKÖ-Präsident noch vor dem Sommer gesetzlich verankert wissen.

Roth fordert Stärkung von Beteiligungsfinanzierung, etwa durch Beteiligungsfreibetrag

Dringenden Handlungsbedarf sieht der Vorsitzende der Jungen Wirtschaft, Markus Roth, vor allem beim Thema Finanzierung. Eine mögliche Kreditklemme - durch die Belastungen von Basel III, der bevorstehenden Änderung der EU-Einlagensicherungs-Richtlinie und der neuen österreichische Bankensteuer - würde Jungunternehmer und Gründer besonders stark treffen. "Eine Stärkung der Beteiligungsfinanzierung, wie vor allem verbesserte Rahmenbedingungen für Venture Capital, wo Österreich im europäischen Vergleich mehr als nachhinkt, sind längst fällig", appellierte Roth. Eine konkrete Forderung, um mehr privates Kapital in Unternehmen zu holen und damit die Eigenkapitalausstattung der Klein- und Kleinstunternehmen zu verbessern, sei, so Roth, die Umsetzung eines Beteiligungsfreibetrages von 50.000 Euro, wobei steuerlich jährlich innerhalb von fünf Jahren 10.000 Euro absetzbar sein sollen.

Einführung von "GmbH light" soll steten Rückgang bei GmbH-Gründungen stoppen

Einig zeigten sich Leitl und Roth bei der Forderung nach der Einführung der "GmbH light". Durch diese relativ einfach umsetzbare und von der WKÖ lange geforderte Maßnahme -Senkung des Mindesstammkapitals von 35.000 auf 10.000 Euro - könne man den ständigen Rückgang bei GmbH-Gründungen - 2011 wurden in Österreich nur mehr 3.127 GmbHs gegründet - stoppen, so Leitl und Roth abschließend. (ES)

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich, Stabsabteilung Presse
Elisabeth Salzer
Tel.: (+43) 0590 900-3400, F:(+43) 0590 900-263
elisabeth.salzer@wko.at
http://wko.at/Presse

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0005