Lawinengefahr: 150.000 Hektar Bundesforste-Schutzwald helfen

Wildverbiss als größte Bedrohung für Schutzwald - Tirol: Laufende Novellierung des Jagdgesetzes als große Chance

Wien/Purkersdorf (OTS) - Als Gebirgsland ist Österreich von Naturgefahren wie Lawinen, Muren oder Steinschlag besonders betroffen. "Zum Schutz vor Elementargefahren im alpinen Raum spielen Schutzwälder eine wichtige Rolle", erklärt Georg Erlacher, Vorstandssprecher der Österreichischen Bundesforste (ÖBf). Sie bilden einen natürlichen Wall und schützen Siedlungen und Infrastruktur wie Straßen, Stromleitungen oder Bahngleise vor zerstörerischen Naturgewalten. "Durch Temperaturanstieg, Wetterextreme, aber auch Wildeinfluss", sagt der Vorstandssprecher, "stehen die Schutzwälder in Österreich heute stärker unter Druck als je zuvor - ganz besonders in alpinen Regionen wie Tirol, Vorarlberg oder Salzburg." Umso wichtiger sind die nachhaltige Betreuung und der Erhalt dieser so wertvollen Wälder insbesondere in den Gebirgstälern Tirols, wo dieser Tage der Entwurf zum überarbeiteten Landesjagdgesetz in Begutachtung geht. "Die anstehende Novellierung des Jagdgesetzes in Tirol", betont Erlacher, "ist eine große Chance zum Erhalt des Schutzwaldes. Wir hoffen, dass sie mit dieser Novelle auch genutzt wird". Allein in Tirol betreuen die Bundesforste rund 42.000 Hektar Schutzwald.

Wildverbiss gefährdet Schutzwald

Klimatische Veränderungen, Elementarereignisse und vor allem Wildverbiss sind die wichtigsten Einflussfaktoren, die auf Schutzwälder einwirken. "Schadinsekten dringen", berichtet Erlacher, "in immer höhere Lagen vor und schwächen Schutzwälder. Geringer Niederschlag und hohe Temperaturen - so genannter Trockenstress -setzen den Bäumen zu." Hinzu kommen Schädigungen durch Wild - Verbiss hindert das Aufkommen von Jungbäumen, durch Schälungen wird die Rinde abgenagt, das Fegen der Geweihe schädigt die Stämme. Ist die Schutzfläche einmal zerstört, vergehen Jahrzehnte, bis der Wald wieder seine volle Schutzfunktion entfaltet. "Vor allem der Wildverbiss macht dem Wald zu schaffen", stellt Erlacher fest, "der Wald überaltert immer mehr, da durch den starken Wildverbiss vielerorts kein Jungwald aufkommen kann." In Zeiten des Klimawandels mit vermehrt auftretenden Wetterextremen, Starkniederschlägen, Lawinen oder Murenabgängen werden Schutzwälder immer wichtiger. Doch der natürliche Nachwuchs der Wälder nimmt ab, die Anzahl an von selbst nachwachsenden Jungbäumen geht deutlich zurück. Dies gilt insbesondere für hoch gelegene, extreme Lagen, in denen die Bäume ohnehin schwierige Wuchsbedingungen vorfinden und sehr langsam wachsen. "Ohne zusätzliche Aufforstung geht es nicht", sagt Erlacher. "Wir müssen die Natur unterstützen."

600.000 Jungbäume für Österreichs Schutzwälder

"Allein im letzten Jahr haben wir 600.000 Jungbäume in Schutzwäldern gesetzt", sagt der Vorstandssprecher. Rund 16% des österreichischen Waldes, das sind 780.000 Hektar, sind Schutzwald. Die ÖBf bewirtschaften 514.000 Hektar Waldfläche, davon ist etwa ein Drittel, rund 150.000 Hektar, Schutzwald. "Jeder fünfte Quadratmeter Schutzwald", so Erlacher, "wird von den Bundesforsten betreut." Die meisten Schutzwälder betreuen die Bundesforste neben Tirol (42.000 ha) in Salzburg (35.000 ha), der Steiermark (28.000 ha) und Oberösterreich (27.000 ha). "Die Schutzwälder", so Erlacher, "können nicht nur Lawinen und Vermurungen verhindern, sie schützen auch vor Bodenerosion und Steinschlag."

83 Schutzwald-Projekte - Schwerpunkt Salzburg und Tirol

"Durch die großen Stürme der letzten Jahre - Kyrill, Paula und Emma - sind viele Kahlflächen entstanden", berichtet der Vorstandssprecher. "Derzeit haben wir 83 Schutzwaldprojekte in Umsetzung, die meisten - aufgrund der Siedlungsdichte und den steilen Hanglagen - in Salzburg und Tirol." 31 Projekte laufen derzeit etwa in Salzburg - viele entlang der Felbertauernstraße oder der Tauernautobahn, so bei Zederhaus und St. Michael, und in touristisch stark erschlossenen Regionen wie dem Großarltal oder dem Gasteiner Tal. Auch in Tirol werden in 30 Schutzwäldern, darunter im Brixental, im Zillertal oder bei Ischgl, Maßnahmen zum Erhalt der wertvollen Wälder gesetzt. Gepflanzt werden neben Fichten vor allem Baumarten wie Lärche, Zirbe oder Tanne, die die Wälder stabiler machen. "Die Fichte eignet sich für den Lawinenschutz besonders gut. Die Bäume stehen dicht, der Schnee bleibt in den Kronen hängen, während die Lärche, die im Winter keine Nadeln trägt, besonders sturmfest und steinschlagresistent ist", führt Erlacher aus.

Forschung für den Schutzwald

Gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur haben die Österreichischen Bundesforste ein Forschungsprojekt zu Schutzwäldern ins Leben gerufen. Dabei werden die Widerstandsfähigkeit und die Gefährdung der Wälder unter den geänderten Klimabedingungen untersucht und zukünftige Maßnahmen zur Schutzwalderhaltung entwickelt. Ein Projekt, das sich langfristig jedenfalls bezahlt macht: "Das Kostenverhältnis von Schutzwäldern im Vergleich zu baulichen Schutzmaßnahmen liegt bei 1:10:100", erklärt Erlacher. "Die Sanierung eines Schutzwaldes kostet gegenüber einer normalen Bewirtschaftung etwa 10 Mal so viel. Die Kosten für eine technische Verbauung liegen um ein Hundertfaches darüber", so Erlacher abschließend.

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