Steuerschonender Chauvinismus

Innsbruck (OTS/TT) - Untertitel: In Zeiten von Sparpaket und Schuldenbremse, so heißt es, müssen alle Bevölkerungsschichten ihren Anteil zur Sanierung beitragen. Doch wie schaut es bei den Spitzensportlern aus? Sie genießen bislang ein Steuerprivileg.

Von Michael Sprenger
Seit Wochen wird über die Notwendigkeit eines Sparpakets geschrieben, gestritten und debattiert. Doch noch immer nicht weiß die Bevölkerung, welche Förderungen gekürzt, welche Steuerschlupflöcher gestopft, welche Privilegien gestrichen und welche Steuern erhöht oder neu eingeführt werden. Nur eins ist der Bevölkerung klar: Wenn gespart werden muss, wenn der Staatshaushalt konsolidiert werden muss, dann sollen auch alle Bevölkerungsschichten ihren angemessenen Teil dazu beitragen. Doch die Koalitionsparteien sind derweil immer noch im Konflikt ihrer sattsam bekannten Klientelpolitik verhaftet. Ein Sparpaket, vor allem wenn es mit Blut und Tränen geschrieben wird, soll und muss auch die Gesetzmäßigkeiten der Symbolik und der Psychologie erfüllen. Nur so kann die Regierung eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung erreichen. Und hierzu bietet der Sportler-Erlass naturgemäß Anlass. Denn Spitzensportler, wobei hier in erster Linie Skisportler gemeint sind, genießen dank eines steuerschonenden Ski-Chauvinismus ein großes Privileg. Sie können nicht nur ihre Preisgelder extrem niedrig versteuern, sondern auch ihre Werbeeinnahmen. Jetzt sei den Helden des Wintersports nicht nur der Erfolg vergönnt, sondern auch ein sattes Einkommen. Doch warum sollen sie dann im Vergleich zu Normalbürgern zusätzlich ein Steuerprivileg bekommen?
Im Zuge des Sparpakets hätte die Bundesregierung die Chance, hier eine Korrektur vorzunehmen. Ein Kompromiss könnte sein, die Werbeeinnahmen aus der Pauschalregelung zu streichen. Weil immer so gerne über Gerechtigkeit gesprochen wird, dann ist zu fragen, ob der seit dem Jahre 2000 bestehende Sportler-Erlass gerecht ist. Natürlich ist klar, dass mit einer Neuregelung für Sportler nicht einmal im Ansatz ein Budget saniert werden kann, aber es wird ein symbolisches Zeichen gesetzt.
Doch als gelernter Österreicher ist zu bezweifeln, ob ÖVP und SPÖ bereit sind, den Sportler-Erlass tatsächlich zu reformieren. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel wird als Lobbyist nicht müde werden zu behaupten, dass es kein Privileg ist, wenn man im Vergleich zu Normalbürgern nur ein Drittel an Einkommenssteuer zu bezahlen hat. Und es wird wohl weiter damit gedroht, dass unsere Skistars heldenhaft in ein steuerschonendes Land auswandern werden, wenn ihnen die Neidgesellschaft dieses Privileg madig machen sollte. Dann werden wir wohl davon ausgehen können, dass nur wir anderen den Gürtel enger schnallen müssen.

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