"Kleine Zeitung" Kommentar: "Vorzeitiger Namenerguss und seine fatalen Folgen" (Von Frido Hütter)

Ausgabe vom 19.1.2012

Graz (OTS) - In Monty Pythons köstlichem Film "Die Ritter von der Kokosnuss" gibt es ein Schwertduell. Der hoffnungslos Unterlegene verliert zuerst einen Arm, dann ein Bein, aber er gibt nicht auf. Am Schluss besteht er nur noch aus Rumpf und Kopf und faucht seinen Bezwinger drohend an: "Wir sehen uns wieder!"

Gegen Schluss des Scharmützels Wrabetz/Pelinka gegen den Rest der Welt fühlte man sich an diese Szene erinnert. Nachdem der ORF-General eine Evocatio praecox, also einen vorzeitigen Namenerguss hatte und Niko Pelinka als seinen neuen Bürochef verkündete, hagelte es interne und mediale Schwerthiebe: Die ZiB-Journalisten revoltierten offen, die Redakteursversammlung protestierte brieflich mit 1.316 Unterschriften. Faktisch alle Printmedien, auch jene, die dem Super-Alex sonst aus der Hand naschen und ihren Super-Inserenten Werner Faymann blindlings dauerhuldigen, gingen gegen die SP-getriebene Personalie auf Distanz.

Zumal Alexander Wrabetz nicht als Kämpfer gilt und Niko Pelinka hartnäckig unter Schnöselverdacht gestellt wurde, wollte sie offenbar einmal echtes Durchhaltevermögen demonstrieren. Und der SPÖ-Chef hoffte wohl, dass die realen Schrecken der Krise das Küniglberger Gewitter bald verblasen würde.

So kann man sich täuschen: Der jüngste Hieb der ORF-Redakteure war tödlich. Ihre am Montag auf YouTube gestellte (www.youtube.com, Suchbegriff ORF) Protestlitanei wurde bis gestern Abend von fast einer halben Million Nutzern aufgerufen. Da wurden selbst Failmann & Co. nervös und zogen die Reißleine. Aktion Niko abgeblasen, heute soll es offiziell mitgeteilt werden.

Der junge Mann wird es verkraften, er ist ja nicht untüchtig. Schlimmer sieht es da schon für den ORF-General aus. Seine Autorität ist nachhaltig beschädigt, die wird er auch nicht mit Lob für die somit demonstrierte Unabhängigkeit der Redakteure so schnell wiederherstellen können. Und als souveräner Krisenmanager hat er sich auch nicht erwiesen.

Zudem sitzt Wrabetz jetzt wirklich in Geiselhaft der SPÖ: Da er einen gestandenen ÖVP-Mann zum Tiroler ORF-Direktor, einen weiteren Schwarzen zum Chefkoordinator küren ließ und für einen FPÖ-Schützling einen neuen Spitzenposten erfand, aber das rote Wunschkind Pelinka mit dem Bad ausgegossen hat, werden seine roten Freunde sehr böse sein.

Es gibt Kapitulationen, die kommen einfach zu spät. Sie verfehlen ihre Wirkung und bringen nicht einmal Mitleid. Dies ist so eine.****

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