AK-Analyse zu Banken: Weiterhin Zuwächse im operativen Geschäft

Kerngeschäft positiv, Einsparungen bei Aufwand und Personal, Ertragssteigerungen nicht an Beschäftigte weitergegeben

Wien (OTS) - Die Abteilung Betriebswirtschaft der AK Wien hat die jüngst veröffentlichten unkonsolidierten Jahresabschlussdaten der Österreichischen Nationalbank (OeNB) für das dritte Quartal 2011 im Detail analysiert. Es sind dies die aktuellsten vorliegenden Daten, die Ergebnisse für das Gesamtjahr 2011 werden erst Anfang März veröffentlicht. "Die vorliegenden Daten sprechen für sich. Trotz schwieriger konjunktureller Rahmenbedingungen beginnend zur Jahresmitte 2011 konnte sich die Ertragslage der österreichischen Banken in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres erneut verbessern", fasst Heinz Leitsmüller, Leiter der Abteilung Betriebswirtschaft in der AK Wien, die Analyse zusammen. Das Ergebnis aus dem operativen Geschäft (Betriebsergebnis) steigt um plus 2,5 Prozent auf knapp sechs Mrd. Euro und hat sich damit gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 144 Mio. Euro gesteigert.

Differenziertes Bild bei den Wertberichtigungen - Gewinnerwartung geht zurück
Für das Gesamtjahr 2011 wird derzeit wieder auf die vom Wirtschaftsprüfer geprüften Jahresabschlussdaten bezogen ein höherer Wertberichtigungsbedarf von knapp fünf Mrd. Euro prognostiziert. Das ist ein deutlicher Anstieg um über 47 Prozent. Während die Wertberichtigungen aus dem Kreditgeschäft sogar um elf Prozent auf rd. 2,5 Mrd. Euro zurückgehen, steigen die Wertberichtungen aus dem Wertpapier- und Beteiligungsgeschäft massiv an. Waren es zum Jahresende 2010 noch rund 520 Mio. Euro, so wird für das Gesamtjahr 2011 bereits mit Risikovorsorgen in der Höhe von 2,4 Mrd. Euro gerechnet. Das ist mehr als das Vierfache. Dies dürfte wohl primär auf Staatsanleihen und Beteiligungen an Kreditinstituten zurückzuführen sein. Aufgrund der höheren Risikokosten prognostiziert die OeNB zum dritten Quartal für das Gesamtjahr 2011 einen Jahresüberschuss (Gewinn) von etwas mehr als eine Mrd. Euro. Im Unterschied zum Ergebnis aus dem operativen Geschäft werden beim Jahresüberschuss die Wertberichtigungen berücksichtigt.

Höhere Einsparungen beim Aufwand
Die Gegenüberstellung der Betriebserträge zu den Betriebsaufwendungen (Kosten-Ertrags-Relation) ergibt folgendes Bild: Das Aufwand-Ertrag-Verhältnis der heimischen Kreditinstitute wurde in den ersten neun Monaten 2011 erneut - wie schon im selben Zeitraum 2010 -unter die 60 Prozent Marke gedrückt (59,4 Prozent). Zwischen dem 3. Quartal 2005 und dem 3. Quartal 2009 belief sich dieses Verhältnis noch auf Werte zwischen 62 und 65Prozent. "Die Entwicklung dieser Kennzahl macht deutlich, dass es besonders in den letzten beiden Jahren mehr Einsparungen in der Aufwandsstruktur gege-ben hat. Für das Personal schlägt sich der Trend der "Kostenoptimierung" in mehr Arbeitsdruck und Arbeitsbelastung nieder" kritisiert Leitsmüller.

Rückläufige Personalaufwandstangente im Kreditsektor
Der gesamte Kreditsektor wendete zwischen 1995 und 1999 noch jeweils mehr als 30 Prozent der erwirtschafteten Betriebserträge für den Personalaufwand auf. In den folgenden Jahren entwickelt sich die Personalaufwandstangente rückläufig. Auf das aktuell vorliegende Gesamtjahr 2010 bezogen, liegt der Anteil nur mehr bei 26 Prozent, das ist nach 2008 (dem Jahr der Rekordgewinne) der zweitniedrigste Wert seit Beginn der OeNB-Statistik im Jahr 1995. Die rückläufige Entwicklung dieser Kennzahl ist ein Indikator dafür, dass die Steigerung der Betriebserträge höher ausgefallen ist als die Zunahme des Personalaufwands. Zum dritten Quartal 2011 steigt die Personalaufwandstangente vorläufig auf 27 Prozent. Dies ist neben Lohn- und Gehaltserhöhungen besonders auf einen Beschäftigtenzuwachs von knapp zwei Prozent auf knapp mehr als 68.300 Mitar-beiterInnen zurückzuführen.

Differenz zwischen Betriebsergebnis und Personalaufwand pro Kopf steigt
Diese Entwicklung spiegelt sich in den Pro-Kopf Kennzahlen wider: Im Jahr 2010 sind die Betriebserträge um knapp zehn Prozent pro Vollzeitäquivalent auf rund 292.000 Euro gestiegen. Das Betriebsergebnis hat sich sogar um 20 Prozent auf mehr als 121.000 Euro verbessert: Im Vergleich dazu ist der ordentliche Personalaufwand pro Kopf um nicht einmal rund drei Prozent auf 75.900 Euro gestiegen. Die Entwicklung zum dritten Quartal 2011 zeigt keine Veränderung: Zwischen dem erwirtschafteten Betriebsergebnis von über 86.000 Euro pro Kopf und dem Personalaufwand von rund 57.000 Euro pro Kopf klafft wieder eine große Differenz. Der Personalaufwand pro Kopf ist damit in den letzten Jahren gegenüber den Betriebserträgen pro Kopf deutlich geringer gewachsen. "Die erzielten Ertragssteigerungen wurden somit nicht im entsprechenden Ausmaß an die Beschäftigten weitergegeben", sagt Leitsmüller.

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