ATV Am Punkt: Wirtschaftsforscher wirft den EU-Regierungen "kollektive Dummheit" vor

Warnung vor strikten Sparprogrammen und Schuldenbremsen

Wien (OTS) - Das Motto der Stunde in Österreich und den anderen EU-Staaten heißt Sparen. Für den renommierten Wiener Wirtschaftsforscher Stephan Schulmeister ist aber gerade damit eine schwere Wirtschaftskrise vorprogrammiert. Besonders harsch kritisiert er die geplante Schuldenbremse: "Die europäische Wirtschaft ist auf dem Weg in eine Rezession", sagte Schulmeister gestern in der ATV-Diskussionssendung "Am Punkt", "auf dem Weg in eine Rezession darf der Staat seine Nachfrage, seine Ausgaben nicht kürzen. Dass die Dummheit kollektiv von 26 Regierungschefs beschlossen wird, ändert an der Dummheit nichts."

Wenn die österreichische Regierung jetzt ein Sparpaket schnüre, werde den Menschen das Geld weggenommen, mit dem sie den Wirtschaftskreislauf in Gange hielten, so Schulmeister: "Wenn die Menschen darauf reagieren, indem sie den Konsum wieder einschränken, und wenn die Unternehmer gleichzeitig ihre Investitionen zurückfahren - und das ist eigentlich die normale Kettenreaktion -, dann wird sich die Krise ganz massiv vertiefen."

Der Finanzsprecher der SPÖ Kai Jan Krainer verteidigte in "Am Punkt" die Pläne der Regierung. Ziel sei ein ausgewogener "Mix" aus ausgaben- und einnahmeseitigen Sparmaßnahmen, so dass Geld für Investitionen übrig bleibe. Erneut forderte Krainer eine Vermögenssteuer: "Wir haben in Österreich ein Problem, dass die Steuern und Abgaben auf Arbeit auch im internationalen Vergleich zu hoch sind, wohingegen die Steuern und Abgaben auf Kapital und Vermögen sehr niedrig sind." Wenn Vermögende einen größeren Beitrag leisteten, würde das der Wirtschaft keinesfalls schaden, so der SPÖ-Politiker.

In der ATV-Diskussionssendung ging es um die Frage, ob Sparen oder Investieren das bessere Rezept gegen die Krise sei. Die Konsumenten haben sich offensichtlich für Letzteres entschieden: das Weihnachtsgeschäft florierte und die Autobranche meldet Absatzrekorde. Für die Konsumforscherin Christine Buchebner ist eine Erklärung, dass die Menschen angesichts ständiger Warnungen vor der Krise diese einfach ignorierten: "Das ist so, wie wenn ich jeden Tag sage "Fürchte dich nicht vor dem bösen Wolf!" Wir stumpfen ab, die Krise hat ihren großen Schrecken verloren."

Rückfragen & Kontakt:

ATV Privat TV GmbH & Co KG
Christoph Brunmayr, Pressereferent
Tel.: +43-(0)1-21364 - 751
mailto: christoph.brunmayr@atv.at
www.atv.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | ATP0001