"Kleine Zeitung": Kommentar: "Der erste Nichtraucher mit Nikotinvergiftung" (von Frido Hütter)

Ausgabe vom 12.01.2012

Graz (OTS) - Vom bayerischen Busch-Philosophen Herbert
Achternbusch stammt der wunderbare Rat: "Du hast keine Chance, also nütze sie!" Wenn man ihn derzeit jemandem geben kann, dann dem ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz. Der hat sich in eine Lage begeben, die Brettspieler als Doppelmühle bezeichnen. Sprich: Was immer er jetzt noch machen kann, es wird falsch sein.

Kurzer Rückblick: Wann immer er und der damalige SP-Fraktionsführer im ORF-Stiftungsrat, Niko Pelinka, nach einer allfälligen Übersiedelung des Letzteren ins Unternehmen gefragt wurden, dementierten beide entschieden.

Bis zum 23. Dezember: Da ließ Wrabetz verlauten, Pelinka werde sein Büroleiter (und somit engster Mitwisser). Was sich wiederum für einen engen Vertrauten des SP-Chefs und Bundeskanzlers nicht geziemt.

Statt Weihnachtsglöcklein ertönten im ORF die Alarmsirenen. Betriebsräte und Redakteursvertreter wehr(t)en sich heftig, eine diesbezügliche Protestnote wurde in den letzten Tagen von 1316 (!) Mitarbeitern unterschrieben.

Dummerweise hatte der promovierte Jurist Wrabetz übersehen, dass die Stelle ausschreibungspflichtig ist, und ließ das nachholen.

Etwas hintersinnigere Zeitgenossen vermuteten, Wrabetz habe auf diese Art den ihm in Wirklichkeit von der SPÖ aufgenötigten Pelinka loswerden wollen. Ein nicht ganz blöder Masterplan. - Aber nein:
Obwohl ihm der junge Mann eigener Aussage nach erst dieser Tage seinen Verzicht angeboten hat, lehnte Wrabetz dies ab.

Nun sind die bisher loyalsten, weil seit Gerd Bacher wohl auch unabhängigsten Journalisten, in Aufruhr. Und werden dabei von außen zunehmend verdächtigt, Parteisklaven zu sein. Selten hat ein Generaldirektor in so kurzer Zeit sein eigenes Unternehmen dermaßen beschädigt wie nun Wrabetz.

Mittlerweile langten an die 200 seriöse Bewerbungen auf dem Küniglberg ein. In einem offiziellen Hearing sollen rund 20 Kandidatinnen und Kandidaten persönlich begutachtet werden. Selbstverständlich auch Niko Pelinka.

Jetzt wird es besonders unlustig: Geht irgendjemand anderer als Sieger hervor, ist Wrabetz buchstäblich der begossene Pudel. Und Niko, ein an sich tüchtiger, junger Mann mit etwas wenig Augenmaß, wäre beruflich waidwund.

Kürt er Pelinka vor aller anderer Konkurrenz dennoch, ist das blanke Demokratieverhöhnung. Und seine hausinterne Autorität wäre endgültig weg.

Alexander Wrabetz ist wohl der erste Nichtraucher mit einer schweren Nikotinvergiftung.****

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