bfi Wien: Staatssekretär Sebastian Kurz besuchte Lehrlinge der Überbetrieblichen Berufsausbildung

Politik informiert sich über Integrationserfolge - bfi Wien plant "Deutschkurse in der Türkei"

Wien (OTS) - Es ist ein Erfolgsprojekt der Integration und des Zusammenlebens von Menschen mit Migrationshintergrund: Rund 200 junge Männer und Frauen werden in der Überbetrieblichen Berufsausbildung (ÜBA) am Standort Göllnergasse 15 des bfi Wien im dritten Wiener Gemeindebezirk zu Fachkräften ausgebildet. Je nach Jahrgang beträgt der Anteil der Lehrlinge mit nicht-österreichischen Wurzeln bis zu 80 Prozent - sie selbst, ihre Eltern und/oder Großeltern stammen aus dem Ausland. Die wichtigsten Herkunftsländer sind die Türkei und Serbien, aber auch die Ukraine, Tschetschenien, Ägypten bzw. der arabische Raum. Dass dies keine ernsthaften Reibereien mit sich bringt, und die Lehrlinge teils schon während der Ausbildung am "freien" Arbeitsmarkt gefragt sind, war Anlass für Sebastian Kurz, Staatssekretär für Integration, sich ein Bild von diesem Integrationserfolg zu machen.

Mag. Franz-Josef Lackinger, Geschäftsführer des bfi Wien, betonte die Gleichwertigkeit des bfi Wien-Angebots mit dem "ersten Arbeitsmarkt": "Die ÜBA ist eine vollwertige Lehre." Im Gegensatz zum unternehmerischen Alltag, in dem oft weniger Zeit für Details bleibe, "garantieren wir die komplette Abdeckung des Berufsbilds". Auch die kaufmännische Geschäftsführerin des bfi Wien, Dr. Valerie Höllinger unterstrich die Bedeutung der ÜBA. Unter anderem, weil sich die Unternehmen zunehmend ihrer gesellschaftlichen Verantwortung entziehen und immer weniger Lehrplätze zur Verfügung stellen: "Wenn hier nicht die öffentliche Hand eingreifen und Perspektiven schaffen würde, stünden diese Jugendlichen auf der Straße." Walter Granadia, Leiter der Lehrwerkstätte Göllnergasse, erklärte den Wert der ÜBA anhand der KFZ-TechnikerInnen-Ausbildung: "Verglichen mit der betrieblichen Lehre lernen die Jugendlichen weitaus mehr Automarken und -modelle kennen: Ein Mercedes, ein Audi, ein Peugeot und ein Fiat, das ist höchstens für den Laien einerlei. Unter der Motorhaube sieht die Sache aber etwas anders aus."

Zusammen mit Hasan Kilic, Chefredakteur der in Österreich publizierten türkischen Zeitschrift Sendika und Vertreter der herausgebenden Initiative der MigrantInnen & Medienzentrum (IMMZ), stellte das bfi Wien im Anschluss gemeinsam geplante Integrationsmaßnahmen vor. Im Projekt "Empowerment durch Bildung" sollen bildungsferne Personen mit Migrationshintergrund über zielgruppenspezifische Medien und Vereine erreicht werden. Der direkte Kontakt wird durch Vertrauenspersonen aus der jeweiligen Community hergestellt. Durch niederschwellige Einstiegskurse mit fachsprachlicher Unterstützung festigen die InteressentInnen ihre Postion am österreichischen Arbeitsmarkt.

Ein Vorläuferprojekt haben von 2006 bis 2011 bereits über 1800 Personen mit Migrationshintergrund durchlaufen. Die Ausbildungen fanden im Bereich Transportkurse statt: Hubstapler-, Bagger- und Kranausbildungen sowie Weiterbildungen für BerufskraftfahrerInnen. "Die Erfahrungen zeigen, dass bildungsferne bzw. bildungsbenachteiligte Personen mit Migrationshintergrund über die zielgruppenspezifischen Medien und Vereine sehr gut erreichbar sind", so Kilic. Erhöhten Bedarf sieht das bfi Wien in Bereichen wie Lagerlogistik, Kindergartenassistenz, Krankenpflege und EDV, sowie beim Hauptschulabschluss für Erwachsene. Als mögliche Kooperationspartner konnten bereits Vereine der türkischen sowie der bosnisch-serbisch-kroatischen Community gewonnen werden.

Im Rahmen der Integrationsvereinbarung, die alle MigrantInnen betrifft, die von außerhalb des EU- bzw. EWR-Raums kommen, ist seit 1. Juli 2011 der Nachweis von Grundkenntnissen der deutschen Sprache nötig. Auf Initiative von Kilic prüft das bfi Wien die Möglichkeit, Deutschkurse direkt in der Türkei anzubieten. Neben dem Spracherwerb sei die Vermittlung von Geschichte und Kultur wichtig, betont Kilic, um Vorurteile abzubauen, die auch bei MigrantInnen vorherrschen könnten. Dem Verständnis für die Gleichberechtigung der Geschlechter würde so ebenfalls ein Dienst getan, gleichzeitig könnten Vorbehalte der ÖsterreicherInnen ausgeräumt werden. Eine Unterstützung durch die österreichische Bundesregierung gäbe dem Projekt einen bedeutenden Schub, sind die bfi Wien-Geschäftsführung und Hasan Kilic sicher.

Staatssekretär Sebastian Kurz zeigte sich aufgeschlossen, da Aus-und Weiterbildung für ihn einen wichtigen Schlüssel für die erfolgreiche Integration darstellen: "Ich begrüße jedes Projekt und jede Maßnahme, die Migrantinnen und Migranten motivieren und ihnen den Einstieg in den Arbeitsmarkt unterstützen." Bildungsprojekte für MigrantInnen außerhalb Österreichs habe es bisher nicht gegeben, jedoch sei das Konzept des bfi Wien und der IMMZ prüfenswert, was die Umsetzung und den gesellschaftlichen Nutzen betrifft: "Für solche Ideen bin ich grundsätzlich offen." Er werde gerne den Draht in die zuständigen Abteilungen im Innenministerium bzw. im Außenamt legen, so Kurz.

"Wir freuen uns sehr über das Interesse von Staatssekretär Sebastian Kurz und der Bundesregierung an unserem Angebot", stellten die Geschäftsführer Lackinger und Höllinger bei der Verabschiedung fest.

Das bfi Wien bildet insgesamt rund 700 Lehrlinge in 15 Berufen an mehreren Standorten aus und ist damit ein wichtiger Partner der vom AMS gemeinsam mit dem waff finanzierten "Wiener Ausbildungsgarantie". In der Lehrwerkstätte Göllnergasse sind die Bereiche Metall, Elektro und Kraftfahrzeugtechnik angesiedelt. (Schluss)

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