Fluchtkind des Jahres 1938 protestiert gegen Mikl-Leitners "Ankerkind"-Rhetorik

Ehemaliges unbegleitetes Flüchtlingskind entsetzt über Aussagen der Innenministerin

Wien (OTS) - Ein unbegleitetes minderjähriges Flüchtlingskind des Jahres 1938 ist an SOS Mitmensch herangetreten, um ihre Geschichte zu erzählen und heftige Kritik an den Aussagen der Innenministerin zu üben. Die Kampagne der Innenministerin gegen junge Schutzsuchende stößt Dora Schimanko, die aus Österreich fliehen musste und selbst einmal Schutzsuchende war, bitter auf.

"Ich fühle mich persönlich betroffen, wenn gerade eine österreichische Innenministerin sich über Eltern hermacht, die ihre jungen Kinder unbegleitet ins Ausland schicken. Ich war nämlich 1938 ein KINDERTRANSPORTKIND!", so das vormalige Fluchtkind Dora Schimanko, die jetzt wieder in Wien lebt. Und Schimanko fügt hinzu:
"Das unbegleitete ins Ausland Schicken hat damals vielen von uns das Leben gerettet!"

"Was sagt die Innenministerin zu einem ehemaligen unbegleiteten minderjährigen Flüchtling, die fassungslos darüber ist, wie herabwürdigend heutzutage von Seiten höchster politischer VertreterInnen über Asylsuchende gesprochen wird? Was sagt Mikl-Leitner zu jemandem, die weiß, dass Flucht Leben retten kann und die auch weiß, dass Eltern sich niemals leichtfertig von ihren Kindern trennen?", fragt Alexander Pollak, Sprecher von SOS Mitmensch.

Ein Teil von Dora Schimankos Familie wurde von den Nazis ermordet, ein anderer Teil vertrieben. Im Alter von 6 Jahren kam die kleine Dora zu ihrem Großvater nach London. Im Jahr 1946 kehrte sie nach Wien zurück. Dora Schimanko veröffentlichte 2006 das Buch "Warum so und nicht anders" über die Geschichte ihrer Großfamilie.

"Es ist an der Zeit, dass unsere Politik innehält und darüber nachdenkt, wie sie über Menschen spricht, die alles aufgeben und ihr Leben riskieren, nur um ihre leibliche Existenz zu retten und woanders ein neues Leben aufzubauen. Niemand begibt sich gerne auf die Flucht! Niemand engagiert gerne FluchthelferInnen! Flucht ist kein Verbrechen, sondern ein Menschenrecht! Es ist unser aller Menschenrecht, und das muss gewahrt und mit Respekt behandelt werden!", betont Pollak.

SOS Mitmensch fordert die Innenministerin dazu auf, von ihrem untragbaren Kurs der Diskreditierung und Herabwürdigung Asylsuchender abzurücken. Stattdessen soll sich die Innenministerin einer menschengerechten und respektvollen Asylpolitik widmen.

Rückfragen & Kontakt:

Alexander Pollak
SOS Mitmensch
0664 512 09 25
apo@sosmitmensch.at
www.sosmitmensch.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | SMM0001