"Ungeheuerliche Ignoranz!"

Österreichischer Frauenring empört über Postenvergabe beim ORF

Wien (OTS) - Im Mai des letzten Jahres beschloss der ORF-Stiftungsrat einstimmig eine Resolution zur Gleichstellung von Männern und Frauen. Der Stiftungsrat appellierte in dieser Resolution an den Generaldirektor bei Bestellungsvorschlägen ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis zu beachten.

Bei der ORF-Postenvergabe, die nun stattgefunden hat, wurde diese Resolution jedoch scheinbar völlig ignoriert. Denn statt dem Gleichstellungsauftrag nachzukommen, hat ORF-Direktor Wrabetz bereits vor Weihnachten alle wichtigen Posten der höheren Ränge an Männer vergeben. Der Großteil der zu vergebenden Chefposten der nächsten Jahre ist somit mit Männern besetzt.

Der Österreichische Frauenring (ÖFR) zeigt sich von diesen Entwicklungen zutiefst befremdet. Es stellt sich die Frage, welchen Stellenwert eine Resolution des Stiftungsrates im ORF hat, was ein ORF-Gesetz (45 % Frauenanteil) und was eine Betriebsvereinbarung wert sind, wenn sie von Generaldirektor Wrabetz letzten Endes völlig ignoriert werden.

Der Stiftungsrat forderte die Erstellung eines Gleichstellungsplans um die gesetzlich festgelegte Frauenquote ernsthaft in Angriff zu nehmen. Da bei der jetzigen Postenvergabe keine Rücksicht auf die geforderte Frauenquote genommen wurde, kann dieser Gleichstellungsplan in den nächsten Jahren jedoch gar nicht zu tragen kommen.

"Das ist ungeheuerlich ignorant! Die Erarbeitung des Gleichstellungsplans kommt unter diesen Umständen einer Beschäftigungstherapie gleich", empört sich Christa Pölzlbauer, Vorsitzende des ÖFR.

Der Österreichische Frauenring gibt zu bedenken, dass bei der Postenvergabe somit nicht nur die parteipolitischen Verbeugungen Wrabetz' bedenklich sind. Besonders die Tatsache, dass die Gleichstellungs-Resolution des Stiftungsrates bei der Vergabe der Posten nicht bedacht wurde, ist nach Ansicht des ÖFR empörend.

Als Dachverband österreichischer Frauenvereine fordert der Österreichische Frauenring deshalb ein grundsätzliches Umdenken bei der Postenvergabe im ORF:

Bei der Besetzung der Chefetagen sollte nicht die Erfüllung der Parteiquote höchste Priorität haben. Viel wichtiger sei es, der Qualität eine Chance zu geben.

Pölzlbauer gibt letztlich zu bedenken: "Eine Frauenquote ist vor allem auch eine Qualitätsquote. Partei- und Freunderlwirtschaft jedoch kann dem öffentlich- rechtlichen Rundfunk nicht gerecht werden."

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