Religionswissenschaftler: "Chaos und Hysterie" in Ungarn

Theologe Mate-Toth von der Universität Szeged: Regierung Orban "diktiert ein ungesundes Tempo"

Budapest, 09.01.12 (KAP) "Chaos und Hysterie" prägen nach Ansicht des Religionswissenschaftlers Andras Mate-Toth derzeit die Stimmung in Ungarn. Wie der katholische Theologe von der Universität Szeged in einem "Kathpress"-Interview erklärte, brauche jede Umformung der Gesellschaft "so etwas wie einen gesunden Rhythmus" - auch die in Ungarn erforderliche Wandlung. Die Regierungskoalition aus Fidesz und christdemokratischer KDNP "diktiert ein ungesundes Tempo", darum gebe es eine andauernde "Fibrillation" - also unkoordinierte Zuckungen - in der Gesellschaft. Zusätzlich sei die Stimmung durch die Medien "hysterisiert, ein jeder ist voller Angst und Unsicherheit", so Mate-Toth. Zugleich räumte er ein, dass der Eindruck, wonach die von Viktor Orban angeführte Regierung "etwas autistisch" agiere, nicht von der Hand zu weisen sei.

Auf die Frage, ob durch die mit 1. Jänner in Kraft getretene neue Verfassung bzw. Maßnahmen wie die umstrittene Justizreform oder das Notenbankgesetz die demokratische Kultur Ungarns in Gefahr gerate, antwortete Mate-Toth differenziert: Man müsse unterscheiden zwischen den institutionellen Grundlagen der Demokratie und einer demokratischer Kultur, die die jeweilige Regierung, aber auch die Opposition und Zivilgesellschaft prägten. Die Grundlagen sehe er nicht in Gefahr, so Mate-Toth; die Amtsführung der jetzigen Regierung jedoch bringe Ungarn an den Randbereich der in Westeuropa üblichen demokratischen Kultur.

Zur Rolle der Kirchen sagte der Theologe, der sich u.a. in Zusammenarbeit mit dem Wiener Theologen Paul Zulehner mehrfach mit religionssoziologischen Entwicklungen in den postkommunistischen Ländern Europas beschäftigte, die katholische Hierarchie habe ihre "Position zur lautlosen Befürwortung der Regierungspolitik gewechselt". Die protestantischen Kleinkirchen dagegen seien enttäuscht und äußerten sich zum Teil sehr kritisch.

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