Leitl: "Der Euro war und ist ein Erfolg für die österreichische Wirtschaft"

Nicht der Euro, eine falsche Politik ist verantwortlich am europäischen Schuldendesaster - jetzt Geburtsfehler der Währungsunion ausmerzen

Wien (OTS/PWK947) - "Der Euro war und ist ein Erfolg für die österreichische Wirtschaft: Daran ändern die enormen Herausforderungen nichts, vor denen Europa aktuell zweifelsohne steht", betont der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Christoph Leitl, anlässlich der Euro-Bargeld-Einführung, die sich am 1. Jänner 2012 zum zehnten Mal jährt.

Als kleine, offene Volkswirtschaft sei Österreich ganz besonders auf offene Märkte angewiesen. "6 von 10 Euro unseres Wohlstandes erwirtschaften wir im Ausland, die Exportwirtschaft hat im vergangenen Jahrzehnt einen Aufschwung erlebt, der seinesgleichen sucht und am Arbeitsmarkt hat Jahre hindurch ein Beschäftigungsrekord den nächsten gejagt." Ohne den Euro und damit ohne Preisstabilität, den Wegfall sämtlicher Wechselkosten und Kursrisiken und ohne die lange Zeit sehr niedrigen Zinsen wären diese Erfolge nicht möglich gewesen, betont Leitl. "Vor allem unsere kleinen und mittleren Betriebe haben erst durch den Euro richtig am Exportboom teilhaben können."

Seit der Einführung des Euro als Buchgeld im Jahr 1999 hat Österreich durchgängig mehr Güter und Dienstleistungen exportiert als importiert. Die Leistungsbilanz, in der 1999 noch ein Minus von 1,7 Prozent herrschte, drehte ins Positive - der Überschuss lag 2010 bei 2,7 Prozent. Zudem ist Österreichs Wirtschaft heute wesentlich internationaler aufgestellt als im Schilling-Zeitalter. "Nicht nur die Betriebe, auch die Menschen haben profitiert", stellt Leitl klar. Die Beschäftigung stieg seit 1999 um gut 1 % pro Jahr, insgesamt sind seit der Einführung des Euro rund 350.000 Arbeitsplätze entstanden. Auch die verbreitete Meinung, der Euro sei ein Teuro, stimmt so nicht. Die Inflation ist seit der Euro-Einführung mit durchschnittlich 1,75 Prozent weit geringer als zu Schilling-Zeiten (durchschnittlich 3,2 Prozent von 1980 bis 1989 bzw. 2,3 Prozent zwischen 1990 und 1998).

Angesichts dieser Erfolgsstory gelte es jetzt umso mehr, die richtigen Lehren aus der aktuellen Krise zu ziehen. "Schuld am europäischen Schuldendesaster ist nicht der Euro. Die Verantwortung tragen jene, die sich mit allerhand Tricksereien in die Währungsunion geschummelt haben. Jene, die Budgetsündern nicht auf die Finger geklopft haben und jene, die auch im eigenen Haus wider besseren Wissens längst fällige Reformen immer wieder verschleppen. Es gibt kaum eine Regierung in der Eurozone, die hier ohne Fehl und Tadel wäre." Statt über Versäumnisse der Vergangenheit zu lamentieren, müssten jetzt die Geburtsfehler des Euro ausgemerzt werden, fordert der WKÖ-Präsident. "Die Konstruktionsmängel des Euro müssen behoben, die EU auf ein neues, stärkeres Fundament gestellt werden. Das sind wir den Menschen in Österreich und in Europa schuldig. Allen Unkenrufen zum Trotz genießt der Euro in der Bevölkerung nämlich nach wie vor großes Vertrauen." Nach einer market-Umfrage von Anfang Dezember sind knapp 60 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher mit der Einführung des Euro-Bargeldes zufrieden, ebenfalls knapp 60 Prozent haben Vertrauen in die Gemeinschaftswährung.

Die geplante Fiskalunion und die Einführung einer Schuldenbremse in den Verfassungen der Euro-Länder seien "wichtige und richtige Beschlüsse" auf dem Weg der notwendigen Neuausrichtung, die nun rasch umgesetzt werden müssen. "Europa hat alle Chancen, auch aus dieser Krise gestärkt hervorzugehen, wie das schon in der Vergangenheit -Stichwort Eurosklerose der 1970er-/80er-Jahre - immer der Fall war. Ein Scheitern des Euro ist ganz einfach keine Option." (SR)

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