TIROLER TAGESZEITUNG AM SONNTAG "Leitartikel" 25. Dezember 2011, von Alois Vahrner: "Euro ist Elchtest für die EU"

Der Euro wird am 1. Jänner 2012 zehn Jahre alt, die Geburtstagsparty wird schaumgebremst ausfallen.

Innsbruck (OTS) - Sein Start war pompös gefeiert worden, nicht nur in Brüssel und von der Europäischen Zentralbank in Frankfurt, sondern in allen Mitgliedsländern. Immerhin war der sonst oft so ferne wirkenden EU mit dem Euro etwas gelungen, was wie vielleicht kein zweites Projekt europäischen Geist symbolisiert - und das bei jedem Bürger in den Euroländern, Tag für Tag. Statt mit den nationalen Währungen wie D-Mark, Schilling, Franc oder Lire gab es nur noch europäisches Bargeld, ein echter Quantensprung. Wurde damals vom Jahrhundertprojekt Euro gesprochen, zweifeln jetzt zum 10-Jahres-Jubiläum gar nicht so wenige, ob der Euro denn seinen elften Geburtstag überhaupt noch erleben wird.
Tatsächlich kämpft die EU derzeit weniger mit einer Euro-Krise als mit einer Schulden- und Vertrauenskrise. Denn trotz der aktuellen Turbulenzen liegt der Wert des Euro im Vergleich zur wichtigsten Weltwährung, dem US-Dollar, heute immer noch um etwa 12 Prozent über seinem Ausgangswert als Buchgeld und um die Hälfte über seinem Wert zum Zeitpunkt der Euro-Bargeld-Einführung vor einem Jahrzehnt.
Es sind einfach die Sünden der Vergangenheit, welche die EU jetzt einholen. Alle Warnungen, dass in der Eurozone wirtschaftlich zu unterschiedlich starke Staaten zusammengespannt sind, wurden in den Wind geschlagen - die Warnung vor dem Aufhäufen immer größerer Schuldenberge sowieso. Zudem wurden nötige Eingriffsrechte bis hin zu harten Sanktionen bei Verstößen wegverhandelt. Die faulen Kompromisse von damals sind der Zündstoff für die Krisen von heute. Scheitert aber das Projekt Euro, dann bricht auch die EU auseinander.

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