TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 23. Dezember 2011 von Peter Nindler "Gespart wird bei der Umwelt"

Innsbruck (OTS) - Utl.: Dass die Tiroler Abfallverbände ihren Müll aus Kostengründen nicht mehr auf der Schiene, sondern auf der Straße transportieren, wirft ein bezeichnendes Licht auf die umweltpolitische Doppelmoral im Land.

Eine vorausschauende Umweltpolitik zum Nulltarif gibt es nicht. In umweltverträgliche Technologien zu investieren, kostet Geld, zu günstig waren Umwelt- und Luftverpestung in der Vergangenheit. Der Ausstieg aus der Atomenergie kommt deshalb so teuer, weil die Energiewende jahrelang auf die lange Bank geschoben wurde. Erdöl und von Kernkraftwerken erzeugter Strom sind vergleichsweise billige Energieträger, auch wenn diese von Jahr zu Jahr teurer wurden. Erst die Atomkatastrophe von Fuku shima löste ein energiepolitisches Beben und ein radikales Umdenken aus.
Was allerdings empört, ist die Doppelmoral, wenn es um ökologische Nachhaltigkeit, globalen Klimaschutz und - wie in Tirol - um regionale Anstrengungen für eine bessere Luftqualität geht. Mit dem jetzt vom Europäischen Gerichtshof gekippten sektoralen Lkw-Fahrverbot hat das Land in den vergangenen drei Jahren u. a. internationale Mülltransporte auf die Schiene gezwungen. Denn "just in time" ist für den Abfall wohl keine notwendige Geschäftsstrategie, obwohl die österreichischen und internationalen Müllverbrennungsanlagen ständig nach verwertbaren Brennstoffen gieren.
Konsequent hat die Landesregierung für die Abfalltransporte in die Müllöfen die Bahn gewählt, und natürlich war dies teurer. Was blieb ihr auch anderes übrig: Man kann schließlich nicht den Müll-Transit auf die Gleise verbannen, den Tiroler Müll jedoch mit dem Lkw in die Verbrennungsanlagen befördern. Groß war deshalb die Empörung, als vor zwei Jahren bekannt wurde, dass Streusalz mit Lkw aus Frankreich nach Tirol geliefert wird. Doch still und leise wanderte auch der heimische Müll wieder auf die Straße. Der Abfallverband Kitzbühel machte den Anfang, weil es preisgünstiger ist. Die Oberländer folgten, 20.000 Tonnen Müll rollen jetzt auf der Straße zur thermischen Verwertung.
Damit werden zwangsläufig die Bemühungen des Landes hintertrieben, bahntaugliche Güter von der Straße wegzubekommen. Gegenüber Brüssel ist das ebenfalls ein Schuss ins ökologische Knie. Die Verbände argumentieren mit der Kos tenkeule und haben kurzfristig zweifelsohne Recht. Umgerechnet auf die Tonne Müll relativiert sich allerdings der Preis. Und warum muss immer bei der Umwelt gespart werden?
Die ökologische Wende muss im eigenen Haus passieren, nur dann wird sie auch von Gästen akzeptiert werden.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001