"Hypo-Desaster und Familiensilber", Leitartikel von Alois Vahrner, TT am Sonntag, 18. Dezember 2011

Ob es bei den von der Hypo in Italien versenkten 150 Millionen Euro bleibt, ist fraglich. Zum Glück wurde in Tirol nicht immer so katastrophal gewirtschaftet.

Innsbruck (OTS) - Inwieweit sich die bis weit nach Süditalien reichenden Millionenlöcher bei faulen Krediten als Kriminalfall erweisen, muss die Justiz klären. Auf jeden Fall war es Misswirtschaft, bei der die Kontrolle völlig versagt hat, sowohl im Vorstand als auch im Aufsichtsrat. Und die Landespolitik ließ sich von atemberaubenden Zuwächsen blenden. Und sah nicht, dass die Greenhorns aus Tirol auf fremdem Terrain ausgenommen wurden wie die Weihnachtsgänse.
Der Hypo eine Kapitalspritze zu geben, war unabwendbar. Zumal Staatsgeld mit 8 Prozent Zinsen sehr teuer ist und ein Verkauf der Hypo derzeit nicht nur mangels Markt, sondern auch wegen des derzeit arg ramponierten Werts der Landesbank ein Reinfall gewesen wäre. Blieb nur Landesgeld. Dafür kommt die Tiwag mit Vorab-Dividenden im Ausmaß von 230 Mio. Euro zum Handkuss. Fürs Land die derzeit sinnvollste, weil billigste Variante. Wenn auch klar sein muss, dass in den nächsten Jahren jährlich satte zweistellige Millionenbeträge fehlen werden - selbst wenn die Hypo tatsächlich wieder Dividenden zahlen kann.
Trotzdem ist erfreulich, dass Tirol überhaupt in der Lage ist, Quellen wie die Tiwag anzuzapfen. Bei der Hypo hat die letzte Landesregierung versagt, sonst allerdings hat sie wie auch die vorangegangenen Tirol finanziell gut verwaltet. Tirol hat mit knapp 1500 Euro nicht nur die geringste Pro-Kopf-Verschuldung aller Bundesländer (Niederösterreich hat 4800 Euro und Kärnten 3800 Euro), sondern als einziges Bundesland bisher weder Anteile am Energieversorger noch der Landesbank oder der Wohnbauförderung versilbert. Selbst bei vorsichtiger Schätzung hat Tirol damit bei Abzug aller Schulden und dem derzeitigen Mini-Wert der Hypo noch 4 Mrd. Euro auf der hohen Kante.

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