Mitterlehner schickt neue Smart-Meter-Verordnung in Begutachtung

Einführungsgrad von 95 Prozent bis 2018 geplant - Intelligente Zähler stärken Kostenbewusstsein und erleichtern Stromsparen - Vorteile für Kunden, Netzbetreiber, Lieferanten

Wien (OTS/BMWFJ) - Wirtschafts- und Energieminister Reinhold Mitterlehner hat am Freitag in Abstimmung mit Konsumentenschutzminister Rudolf Hundstorfer die neue Smart-Meter-Verordnung in die fünfwöchige Begutachtung geschickt. "Mit dieser Verordnung regeln wir die Rahmenbedingungen für die österreichweite Einführung von intelligenten Stromzählern durch die Netzbetreiber. Auf Basis einer Kosten-Nutzen-Analyse streben wir einen Einführungsgrad von 95 Prozent bis 2018 an", kündigt Mitterlehner an. "Die Umrüstung auf Smart Meters schafft durch mehr Transparenz ein höheres Kosten-Bewusstsein und erleichtert damit den Stromkonsumenten das Sparen. Das leistet einen maßgeblichen Beitrag zur Energieeffizienz. Und das ist der Schlüssel für eine nachhaltig erfolgreiche Energiepolitik", so Mitterlehner. Gemäß einer Studie von PricewaterhouseCoopers (PwC) kann der Verbrauch über alle Kundengruppen (Haushalt, Gewerbe, Industrie, Landwirtschaft) mit Smart-Meter-Technologie im Schnitt um rund 3,5 Prozent pro Jahr reduziert werden.

Flankierende Maßnahmen bringen Sicherheit für KonsumentInnen

"Smart-Meters sind notwendig, um den Ausbau erneuerbarer Energien weiter voranzutreiben", so Konsumentenschutzminister Hundstorfer. Österreich habe aus internationalen Erfahrungen gelernt. In anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union kam die Einführung kurzfristig und war oft mit Verunsicherung der VerbraucherInnen verbunden. Die Einführungsverordnung wird deshalb auf Initiative des Konsumentenschutzministeriums von Maßnahmen flankiert werden, die mehr Sicherheit bringen und die internationalen Erfahrungen und negativen Entwicklungen hintanhalten sollen. BMWFJ und BMASK sind zu den Konsumentenschutzbestimmungen bei Strom und Gas in Gesprächen. Dabei geht es vor allem um eine noch stärkere Absicherung der datenschutzrechtlichen Zulassung der Datenweitergabe. "Es muss sichergestellt sein, dass die Konsumenten in den Vertragsunterlagen transparent informiert werden", so Hundstorfer.

Zusätzliche Wertschöpfung und Arbeitsplätze

Mit dem jetzt vorgesehenen Ziel beim Einführungsgrad von 95 Prozent übertrifft Österreich die Vorgaben des EU-Energiebinnenmarktpakets, wonach bis 2020 mindestens 80 Prozent der Verbraucher mit Smart Meter auszustatten sind. Denn aus volkswirtschaftlicher Sicht sei ein möglichst kurzer Einführungszeitraum kombiniert mit einer möglichst hohen Flächenabdeckung von mindestens 95 Prozent am sinnvollsten, so das zentrale Ergebnis der PwC-Studie. Netto beträgt die zusätzliche österreichische Wertschöpfung durch Investitionen und 6.000 neue Arbeitsplätze rund 500 Millionen Euro. Der volkswirtschaftliche Gesamtnutzen liegt berechnet über einen Zeitraum von 15 Jahren bei insgesamt 3,6 Milliarden Euro, womit die Aufwendungen um 400 Millionen Euro übertroffen werden.

Die neue Verordnung sieht einen Stufenplan vor, der für die Netzbetreiber zunächst einen Einführungsgrad von 15 Prozent bis Ende 2014 und 45 Prozent bis Ende 2016 verpflichtend vorsieht. Damit soll neben der Gewährleistung der Investitionssicherheit insbesondere eine Überhitzung des Marktes wegen Nachfragespitzen gegen Ende des geplanten Rollouts im Jahr 2018 vermieden werden.

Vorteile für Kunden, Lieferanten und Netzbetreiber

Die konkreten Vorteile von Smart Metering umfassen einen leichteren Wechsel des Kunden zum günstigeren Lieferanten und die Möglichkeit neuer Tarifmodelle, die auf unterschiedlichen Zeitfenstern basieren. Energielieferanten haben damit die Möglichkeit ihren Kunden auf das jeweilige Verbrauchsverhalten zugeschnittene Tarife anzubieten, was wiederum Einsparungen für die Kunden bringt. Falls die künftig möglichen zeitvariablen Tarife zu unübersichtlich werden, soll die E-Control als Regulierungsbehörde durch Verordnung verpflichtende Tarifstrukturen festlegen können, die es ermöglichen, die Vergleichbarkeit der Tarife mit Hilfe des Tarifkalkulators oder anhand der Vertragsblätter und Entgeltbestimmungen zu gewährleisten. Darüber hinaus wird dem Kunden die Selbstablesung seines Stromzählers erspart. Zugleich führt der Wegfall der manuellen Ablesung vor Ort zu einer höheren Rechnungsqualität und weniger Korrekturen bzw. Nachzahlungen.

Der Nutzen für die Netzbetreiber besteht vor allem in der Effizienzsteigerung des Verteilernetzbetriebs. Herauszustreichen sind unter anderem die höhere Automatisierbarkeit der Kundenprozesse (Ablesung, Verrechnung), eine bessere Netzüberwachung und Netzlastsituationsdarstellung sowie ein effizienteres Ausfalls- und Störungsmanagement. Weiters stellen intelligente Messgeräte eine unabdingbare Schnittstelle für Intelligente Netze ("Smart Grids") dar, die wegen des weiteren Ausbaus der Erneuerbaren Energien verstärkt für das Netzlastmanagement erforderlich sein werden.

In den vergangenen Jahren sind in Österreich bereits über 100.000 von insgesamt rund 5,5 Millionen Zählern auf Smart Meter umgerüstet und erfolgreich im Testbetrieb eingesetzt worden. Das Feedback der Kunden und Energieversorgungsunternehmen war durchgängig positiv.

Der Austausch des Zählers durch die Netzbetreiber soll grundsätzlich bereits über das Messentgelt, das von der unabhängigen Regulierungskommission festgelegt wird und derzeit bei 2,4 Euro pro Jahr und Zähler liegt, abgedeckt werden. Die Mehrkosten eines Smart Meter gegenüber einem herkömmlichen Zähler belaufen sich auf rund 40 Euro. Auf eine Nutzungsdauer von 15 Jahren berechnet entspricht dies im Monat nur in etwa 20 Cent. Gleichzeitig führt laut PwC-Studie die Einführung von intelligenten Netzgeräten bis 2018 unter Heranziehung eines Modellzeitraumes von 15 Jahren zu einem Nettokostenvorteil für die Endverbraucher von über einer Milliarde Euro. Denn eine zeitgenaue Verbrauchserfassung bringt eine höhere Abrechnungsqualität und eröffnet durch die Möglichkeit verbrauchssensibler Energienutzung neue Sparpotenziale.

Weitere Regelungen zum Datenschutz

In der neuen Verordnung sind auch Berichtspflichten der Netzbetreiber über das Rollout, anfallende Kosten, Erfahrungen zum Datenschutz und erzielte Effizienzsteigerungen bei den Endverbrauchern vorgesehen. Zusätzlich hat die Regulierungsbehörde E-Control eine Verordnung über die technischen Mindestanforderungen sowie zur Datenauslesung und -weitergabe erlassen. Demnach müssen die Netzbetreiber bei der Einführung und beim Betrieb von Smart Meter insbesondere datenschutzrechtliche Bestimmungen beachten. Die Geräte sowie ihre Kommunikation sind nach anerkanntem Stand der Technik zu verschlüsseln und gegen den Zugriff von unberechtigten Dritten abzusichern.

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