Veranstaltung "Medienberichterstattung über Suizide"

Presserat hat Experten die Frage gestellt, wie über Suizide in den Medien berichtet werden soll

Wien (OTS) - Zusammen mit den Wiener Linien und dem Kriseninterventionszentrum hat der Presserat gestern zu Vorträgen geladen, die das sensible Thema Suizidberichterstattung betrafen.

In Österreich ist die Suizidrate mehr als doppelt so hoch wie die Zahl der Verkehrstoten. Das Fazit der Veranstaltung: Medien können durch zurückhaltende Berichterstattung, eine sensible Herangehensweise an das Thema und das Anführen von Hilfsangeboten Suizide verhindern.

Ella Wassink (Deutscher Presserat) berichtete über eindrucksvolle Fälle aus Deutschland. Ein detaillierter Artikel über drei junge Frauen, die sich über das Internet zum gemeinsamen Suizid verabredeten, wurde vom Deutschen Presserat gerügt. Dabei ging es nicht nur um die Verletzung der Intimsphäre der Betroffenen, sondern auch um den sogenannten Werther-Effekt: Die genaue Schilderung der Suizidmethode und des Hergangs des Suizids führt zu einem Imitationseffekt.

Die Medizinjournalistin Christina Lechner hob in ihrem Vortrag hervor, dass die Öffentlichkeit, aber auch Journalisten zu wenig über derartige Effekte Bescheid wissen. Hier gebe es Aufholbedarf: "Wüsste die Bevölkerung über den Werther-Effekt besser Bescheid, hätte sie größeres Verständnis für die Zurückhaltung der Medien bei diesem Thema. Journalisten sollten diesen Effekt in einem Artikel ansprechen." Vor diesem Hintergrund plant der Presserat, eine kompakte Broschüre über Suizidberichterstattung herauszugeben, die in den Redaktionen verteilt werden soll.

Schließlich wurden auch die Medienberichte über den Tod Ludwig Hirschs bewertet. "Bei so prominenten Personen wie Ludwig Hirsch, Hannelore Kohl oder Gunter Sachs lässt es sich nicht verhindern, dass das Thema Suizid auf der Titelseite landet. Entscheidend ist dabei aber, wie das Ganze aufbereitet wird", meinte Ella Wassink. "Ich bewerte es als sehr negativ, dass der Ablauf des Suizids von Herrn Hirsch in manchen Medien in Wort und Bild sehr detailliert geschildert wurde. Wissenschaftliche Studien belegen, dass diese Art der Berichterstattung bei Menschen, die sich in einer Krisensituation befinden, zu Nachahmungseffekten führen kann. Außerdem kam es zu einer Verkürzung: Eine schwere Krankheit habe den Suizid von Ludwig Hirsch ausgelöst. Bei einem Suizid gibt es aber nicht den einen Grund, es spielen viele Faktoren ineinander. Es wäre wichtig, dass Medien auf Alternativen hinweisen. Auch bei schwerer Krankheit gibt es Möglichkeiten, dagegen anzukämpfen oder sein Leben positiv zu gestalten", so Dr. Stein vom Kriseninterventionszentrum.

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