Wr. Jugendanwalt zur aktuellen Jugendstudie: Unsere Jugend ist noch besser als ihr Ruf!

Wien (OTS) - Anlässlich der veröffentlichten Studie des Instituts für Jugendkulturforschung zu den Meinungen der Jugendlichen in Wien in Bezug auf verschiedenste Themenbereiche muss grundsätzlich angemerkt werden, dass die Art und Weise der Befragung nicht jenen Schluss zulässt, der nun in vielen Medien kolportiert wird, so der Wr. Jugendanwalt Anton Schmid.

In der aktuellen Studie haben 43,6% der Feststellung "In diesem Land leben zu viele Türken" zugestimmt. Hätte die Feststellung gelautet:
"Obwohl viele Türken in Wien leben, gibt es im Großen und Ganzen ein friedliches Miteinander", hätten mit Sicherheit ebenso viele Jugendliche dieser Aussage eine Zustimmung gegeben.
Hätte man dann geschrieben unsere Jugend sei ausländerfreundlich?

Daher Vorsicht bei solch schnellen Umfragen und im Besonderen den Fragestellungen und der Interpretation. Dennoch sollen wir uns mit den Ergebnissen auseinandersetzen:

Zukunftsängste, die Einstellung zu Armut, Ausländerfeindlichkeit sind natürlich auch bei den Jugendlichen vorhanden. Wir wissen, dass unsere Jugend keine revoltierende Jugend ist, sie hat Zukunftsängste, weil ein Großteil der jungen Menschen sich ausgegrenzt fühlt, in einer Gesellschaft, die nicht auf ihre Bedürfnisse sondern auf ihre Leistung schaut. Wer dabei versagt wird als Außenseiter abgestempelt. Um dann aber wieder das Selbstbewusstsein etwas zu verbessern, wird daher gegen Schwächere hingetreten: Ausländer, noch größere Versager, Andersdenkende etc.

Der Vorteil der Studie ist die Richtung, die sie zeigt: Wir müssen gemeinsam mit der Jugend an ihrer Zukunft arbeiten und daher wissen, was sie denken. Politik muss es ermöglichen sie in Entscheidungsprozesse einzubinden und eine Bildungsoffensive starten, die in einigen Jahren solche Umfragen mit zweifelhaften Fragen überflüssig machen.

Nehmen wir die Jugend ernst und geben wir ihr Zukunft, dann wird auch Fremdenfeindlichkeit und die "Ich zuerst" Mentalität keinen Nährboden haben.

Noch haben wir Zeit mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen, sie ernst zu nehmen, sie in unsere Entscheidungen mit einzubinden.

"Aber bei der momentanen Entwicklung in den Bereichen Bildung, ökonomisches Überleben, Arbeitswelt, Toleranz u.v.m. ist es nur eine Frage der Zeit, bis uns die Jugend abstraft und wie in Griechenland, England, Frankreich die Zukunftsängste in Wut, Zorn und Hass umschlagen und dann Gewalt und Aggression die Antwort der Jugend sein wird", so abschließend Jugendanwalt Schmid

Rückfragen & Kontakt:

Kinder- & Jugendanwaltschaft Wien
Herr Dr. Anton Schmid
Tel.: (++43-1) 70 77 000
jugendanwalt@wien.gv.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KJA0001