Kardinal Naguib: Ägypten wird islamistisch, aber nur vorläufig

Patriarch bei Pressekonferenz in Wien: Bürgerrechts-Gruppen und Reform-Allianzen warnten vor der aktuellen Entwicklung und wollten deshalb eine längere Vorbereitungszeit auf die Wahlen

Wien, 06.12.11 (KAP) Ägypten wird mit großer Wahrscheinlichkeit nach dem Ende der Wahlen und nach dem Prozess der Verfassungsausarbeitung für einige Zeit ein islamistischer Staat sein, was die Lage der Christen nicht einfacher machen wird: Diese Einschätzung machte das Oberhaupt der mit Rom unierten koptisch-katholischen Kirche, Patriarch-Kardinal Antonios Naguib, bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Wien. Die Islamisten dürften in der verfassungsgebenden Versammlung auf 75 bis 80 Prozent kommen, so der Kardinal. Er äußerte aber die Hoffnung, dass die Entwicklung nur vorläufig sein werde.

Bürgerrechts-Gruppen und Reform-Allianzen hätten vor dem Wahlsieg von Muslimbrüdern und Salafisten gewarnt, sagte Naguib: "Die Gruppen wollten deshalb eine längere Vorbereitungszeit auf die Wahlen; sie dachten an Juni 2012. Aber die Islamisten machten Druck und forderten: jetzt!"

Für die Christen würde die Umsetzung der Ideen der moderaten Muslimbrüder-Vertreter voraussichtlich noch keine entscheidende Veränderung ergeben, weil das ägyptische Rechtssystem bereits seit der Sadat-Regierung auf Sharia-Konformität Wert lege. "Wirklich kritisch" wäre hingegen, wenn Vorstellungen der Salafisten umgesetzt würden.

Die Gefahr einer Verschlechterung sei zwar reell, so Naguib: "Aber selbst wenn wir ein islamistisches Regime bekommen, wird es nicht lange bestehen. Denn es entspricht nicht dem Geist der ägyptischen Zivilisation."

O-Töne von Kardinal Naguib sind in Kürze unter www.kathpress.at/audio abrufbar.

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