Allein, fremd und minderjährig - jugendliche Flüchtlinge

10 Jahre Projekt Caravan im Integrationshaus.

Wien (OTS) - Von der Clearingstelle zur sozialpädagogischen Wohngemeinschaft. 475 unbegleitete Kinder und Jugendliche aus insgesamt 50 Ländern wurden bis jetzt in Caravan betreut.

Ein nigerianischer Junge namens Nana ist im Dezember 2001 als erster Bewohner im Projekt Caravan eingezogen. Bis 2004 war Caravan eine von fünf sogenannten "Clearingstellen". Um dieses Projekt von der Idee in die Praxis umzusetzen, waren jahrelange Vorbereitungen in Form von politischer Lobbyarbeit notwendig, die auf die unhaltbare Situation von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Österreich aufmerksam machen sollte. Bis dahin hatte Österreich nichts für diese besonders schutzbedürftigen Jugendlichen getan.

"Viele Forderungen von damals sind heute noch aktuell. Keine Schubhaft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Die rechtliche Vertretung muss verbessert und das Asyl- und Fremdenrecht geändert werden, so dass faire, rechtsstaatliche und kindgerechte Asylverfahren durchgeführt werden können. Auch der lange geforderte Zugang zum Arbeits- und Lehrstellenmarkt für jugendliche Asylsuchende ist nach wie vor nicht gegeben", so die Geschäftsführerin des Integrationshauses, Andrea Eraslan-Weninger.

"Nach wie vor stellt die "multifaktorielle Altersdiagnose" eine kinderrechtlich äußerst bedenkliche Vorgangsweise dar" so Otto Hollerwöger, Leiter von Caravan. Alleine in diesem Jahr sind 45 unbegleitete Jugendliche unter 14 Jahren nach Österreich gekommen. Dies ist durchaus auch im Zusammenhang mit den fragwürdigen Altersfeststellungen, wie sie derzeit durchgeführt werden, zu sehen. Besondere Probleme gibt es aktuell auch bei der Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen. Die Zahl derer, die nach Österreich kommen, steigt und die Jugendlichen werden immer öfter in privaten Pensionen und Gasthöfen untergebracht, ohne dass die notwendige Betreuung sichergestellt ist.

Die sozialpädagogische Wohngemeinschaft seit 2004

Heute ist Caravan jene Einrichtung zur Betreuung unbegleiteter minderjähriger AsylwerberInnen in Wien, in der jugendliche Flüchtlinge mit besonders hohem Betreuungsbedarf untergebracht sind. Dieser erhöhte Betreuungsbedarf erklärt sich zum einen durch massive psychische Probleme wie Schlafstörungen, Angststörungen, depressive Zustandsbilder, Anpassungsstörungen an die neue Lebensumwelt und posttraumatische Belastungsstörungen sowie durch zum Teil erhebliche somatische Probleme. Ergänzend zur sozialpädagogischen Betreuung bietet eine Klinische und Gesundheitspsychologin individuelle psychologische Betreuung und Beratung für die Jugendlichen von Caravan an. Seit 2010 gibt es im Rahmen eines Tagesstrukturprojekts verschiedene Workshops für Fahrradreparatur, Nähen, Kochen und kreatives Werken.

In den letzten Jahren hat sich eine intensive Zusammenarbeit mit dem Amt für Jugend und Familie entwickelt. Caravan ist eine im Rahmen des Jugendwohlfahrtsgesetzes anerkannte Einrichtung. Für mehr als die Hälfte der BewohnerInnen wurde über die Grundversorgung des Fonds Soziales Wien hinaus die Maßnahme der "vollen Erziehung" über das Jugendamt beantragt und bewilligt. Dieser gemeinsame Tagsatz von FSW und Amt für Jugend und Familie und der massive Einsatz von Spendengeldern ermöglichen es, eine den Betreuungsstandards gemäße Unterbringung für minderjährige AsylwerberInnen zu gewährleisten. Ein großes Problem, das immer akuter wird, stellt die mangelnde Finanzierung der Grundversorgung dar. Mit 1.5.2004 ist die Grundversorgungsvereinbarung in Kraft getreten, der Tagsatz für die Betreuungseinrichtungen wurde seither nicht erhöht.

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Gabi Ecker
Verein Projekt Integrationshaus, Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 0043 1 2123520/35, Email: g.ecker@integrationshaus.at
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