Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 1. Dezember 2011. Von ALOIS VAHRNER. "Endspiel um den Euro".

Innsbruck (OTS) - Untertitel: In der Euro- und Schuldenkrise steht die Europäische Union am Scheideweg: Beim bevorstehenden EU-Gipfel am 8. und 9. Dezember muss ein großer Durchbruch gelingen. Sonst ist dies wohl der Anfang vom Ende.

Wenige Tage vor dem Gipfel spitzt sich die Situation immer weiter zu. Dementsprechend werden im wilden Sprachengewirr der EU-Länder auch die Aussagen der Politiker und Experten immer martialischer. Die Lage ist brandgefährlich, wie auch der gestrige konzertierte Feuerwehreinsatz von Europäischer Zentralbank zusammen mit der US-Notenbank Fed sowie den Zentralbanken Großbritanniens, Japans, Kanadas und der Schweiz zeigte, um Liquidität in das angespannte globale Banken- und Finanzsystem zu pumpen.
Das dadurch ausgelöste Kursfeuerwerk an den Börsen ist ebenso trügerisch wie der mit 1,35 Dollar zumindest im Kurs bärenstarke Euro. Die Schuldenkrise ist, geschürt durch das Stakkato von Herabstufungen von Eurostaaten durch die Ratingagenturen, außer Rand und Band geraten.
Immer mehr auch prominente Politiker reden offen von der Gefahr, dass die Eurozone auseinanderbricht. Wohl nicht nur, um den Druck vor dem Gipfel zu erhöhen. Immerhin droht ein Übergreifen der griechischen Tragödie auch auf weitere Länder. Vor allem Italien, die drittgrößte Volkswirtschaft der 17 Euro-Mitglieder, aber auch Spanien, die Nummer 4, drohen in den Strudel hineingerissen zu werden.
Sprüche und Phrasen sind jedenfalls genug gedroschen, jetzt muss die EU Farbe bekennen. Der kommende EU-Gipfel wird angesichts der dramatischen Rahmenbedingungen und hypernervösen Märkte zum Endspiel. Letztlich muss die Frage in der EU geklärt werden: Wollen die Mitglieder mehr Europa, mit viel mehr zentralen Durchgriffsrechten und weniger Macht in den Staaten selbst? Oder bleibt es beim jetzigen, vielfach chaotischen Vielklang, der automatisch ein Auseinanderdriften nach sich ziehen wird? Zuletzt waren vor allem in den starken Euroländern wie Deutschland oder auch Holland verstärk-te Stimmen für eine Kern-Eurozone zu vernehmen.
Österreich, das aufpassen muss, seine derzeit noch gute Position mit Triple-A nicht leichtfertig zu verspielen, fungiert auf europäischer Ebene als absolutes Leichtgewicht. Und das liegt nicht an der Größe des Landes, sondern leider an der ambitionslosen Bundesregierung. Allen voran Bundeskanzler Faymann, aber auch Vize Spindelegger, die in dieser Krisenzeit Leadership vermissen lassen. Im Inland fehlt jeglicher Reformwille, im EU-Konzert agiert Österreich als braver Ministrant statt als Motor der Euro-Rettung.

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