WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die EFSF und ihr Hebel ohne Ansatz - von Hans Weitmayr

Weg von den Finanzmarkt-Hebeln, hin zu echtem Geld

Wien (OTS) - Der Hebel für den Rettungsschirm EFSF bringt also
doch keine Billion Euro, sondern eher drei Viertel davon. Obwohl auch das inzwischen nicht so sicher ist. Fonds-Chef Klaus Regling erklärte zuletzt, es sei nicht vorhersehbar, in welche Höhen die EFSF gehebelt werden könne, die Wirkung selbst würde sich auch erst über längere Zeit hinweg entfalten können. Nicht die dringend benötigte Soforthilfe also.

Diese Einschätzungen sind leider nur zu wahr. Niemand weiß, wer denn nun wirklich EFSF-Anleihen, über die die Fazilität finanziert würde, kaufen soll. Immerhin handelt es sich um ein staatliches Subprime-Derivat, in dem schlechte Bonitäten mit guten vermischt werden. Dass das schiefgehen kann, weiß man in den USA spätestens seit den Jahren 2007 und 2008. Doch selbst wenn der Hebel so weit funktioniert, dass wenigstens 750 Milliarden Euro aufgetrieben werden können, wäre der Endeffekt nichts anderes als eine noch stärkere staatliche Bindung an eine Branche, von der man sich zuletzt emanzipieren wollte: die der Hochfinanz. Damit wären am Ende nicht nur die Einzelstaaten an die Volatilitäten der Anleihenmärkte gebunden, sondern auch die Union selbst.

Meint es die Politik, meint es die Gesellschaft mit dem Ansinnen ernst, sich von den Finanzmärkten abzukoppeln, bleibt nur ein Weg offen: Eigenes Geld in die Hand nehmen. Dazu müsste man die gesamte EU, mit Ausnahme der Staaten, die bereits Hilfsgelder erhalten, in die Pflicht nehmen. Die viel beschworene Billion macht rund 3,5 Prozent des BIPs dieser Länder aus. Das muss einem die Rettung der EU wert sein - ihr Auseinanderbrechen käme deutlich teurer. Echtes, ungehebeltes Geld - so es solches dieser Tage überhaupt noch gibt -zu generieren ist natürlich viel mühseliger als die Erschaffung gehebelter Mittel, will man die Inflation nicht ausufern lassen. Europas Bevölkerung müsste man einen noch härteren Sparkurs aufzwingen - das wäre politisch schwierig. Helfen würde, wenn man die zu unterstützenden Länder eingrenzen würde - und zwar auf die Länder, die bislang noch keine Hilfen erhalten haben. Mit einer Billion Euro echten Geldes müsste es möglich sein, die zuletzt ebenfalls viel beschworene Feuerwand rund um diese neuen Kernländer zu ziehen. Damit kann man vor der Bevölkerung auch argumentieren, dass die verliehenen Summen keine Geldverbrennung, sondern eine Investition darstellen, deren Zinsen - wohl erst der nachkommenden Generation - ein zusätzliches Einkommen bringen. Aber ein Generationenvertrag, der die eigenen Nachkommen nicht schröpft, ist wahrscheinlich nur ein frommer Wunsch.

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