Wirtschaftsparlament: Industrie fordert gemeinsame neue Lösungen bei Kurzarbeit

Welser und Jank: "Es braucht mutige politische Entscheidungen und Strukturreform, um in prognostizierter Krise bestmöglich aufgestellt zu sein!"

Wien (OTS/PWK852) - Im Rahmen der Debatte beim heutigen "Wirtschaftsparlament" der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) warnte Bundesspartenobmann Wolfgang Welser für die Liste Industrie vor einem drohenden Gewitter am bereits schwarzen Himmel über Europa. "Gemäß den aktuellen Zahlen der Eurostat betreffend die Auftragslage der Industrie musste im September für die EU ein Auftragsrückgang von 6,4 Prozent gegenüber dem Vormonat August verzeichnet werden - das entspricht den Zahlen des Krisenjahres 2009," zeigte sich Welser alarmiert und fordert dringend Konsequenzen. Man habe 2009 sehr viel Geld aus dem Staatshaushalt verbraucht, um die Wirtschaft am Laufen zu halten, nun gäbe es aber für ein mögliches Krisenjahr 2012 keinerlei Spielraum. Vor allem beim Thema Kurzarbeit habe man -anders als in Deutschland - seine Hausaufgaben nicht erledigt und noch keine praktikable Lösung gefunden, kritisierte Welser. "Auch die Unternehmen sind sehr daran interessiert, ihre Mitarbeiter unbedingt in einem Beschäftigungsverhältnis zu halten", betonte Welser und verwies darauf, dass die Industrie jene Branche sei, die von konjunkturellen Schwankungen am meisten getroffen werde. Eine gemeinsame - von Arbeitnehmern und Arbeitgebern getragene - Lösung im Sinne der Aufrechterhaltung der Arbeitsverhältnisse, sei das Gebot der Stunde, so Welser, der abschließend davor warnte, sich, ähnlich wie beim Thema Arbeitszeitflexibilisierung, von der Gewerkschaft mundtot machen zu lassen.

Den letztmöglichen Zeitpunkt für eine dringend notwendige Strukturreform sieht WK-Wien-Präsidentin Brigitte Jank vom Österreichischen Wirtschaftsbund (ÖWB) gekommen: "Wir haben die vergangene Krise dank der Innovationskraft der heimischen Betriebe und des Einsatzes der Unternehmen und ihrer Mitarbeiter gut bewältigen können - nun, wo immer mehr Umfragen einen neuerlichen konjunkturellen Abschwung prognostizieren, müssen endlich neue Strukturen her!"

Es sei ein Phänomen, dass Politiker, sobald sie politische Verantwortung bekämen, lähmende Angst befalle, kritisierte jank im Zusammenhang mit der aktuellen Diskussion über die verfassungsmäßige Verankerung einer Schuldenbremse. Dass gleichzeitig über längst anstehende Themen, wie etwa das Auslaufen der "Hacklerreglung" oder die Anpassung des Pensionsalters von Frauen, ein "Nachdenkverbot" verhängt würde, sei untragbar und der Grund dafür, "warum sich in diesem Land oft nichts bewegt", fordert Jank mehr Mut in der Politik. Schließlich könne es nicht immer die Wirtschaft sein, die in schwierigen Zeiten den Karren ziehe, appellierte.

Grobe Ungerechtigkeiten im Bildungssystem stellte die WK-Wien-Präsidentin abschließend an den Pranger: "Für ein rohstoffarmes Land wie Österreich ist Bildung eine enorm kostbare Ressource, bei der leider vieles im Argen liegt", kritisierte Jank Ungerechtigkeit im Hinblick auf die fehlende Unterstützung für Facharbeiterausbildung. "Während junge Menschen, die sich in Österreich für eine Lehre entschieden haben, sowie die ausbildenden Betriebe, viel Geld in die Hand nehmen - nur in Wien etwa 207 Mio. Euro alleine auf Unternehmerseite - bekommen andere im schulischen und universitären System alles umsonst. Das ist völlig unverständlich", forderte Jank ein Umdenken. (ES)

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