Naher Osten: Begrenzte Aussicht auf Demokratie und Frieden

Rektor des Österreichischen Hospizes in Jerusalem, Bugnya: Auflehnung gegen Regime bedeutet noch keine Demokratien westlichen Zuschnitts

Wien-Jerusalem, 24.11.11 (KAP) Im Nahost-Konflikt ist derzeit keine Lösung in Sicht. Diese Einschätzung hat der Rektor des Österreichischen Hospizes in Jerusalem, Markus Bugnyar, im "Kathpress"-Gespräch geäußert. Zugleich sehe er im gesamten Nahen Osten weit und breit keine Demokratisierungswelle nach westlichem Vorbild bzw. Wunschdenken, wie er sagte. Eine Hauptaufgabe des Österreichischen Hospizes sehe er neben der Betreuung der Pilger darin, als Begegnungsstätte für Israelis und Palästinenser zur Verfügung zu stehen.

Der Friedensprozess trete auf der Stelle, weil sowohl Palästinenser wie auch Israelis in ihren eigenen festgefahrenen Identitäten als Opfer verharren würden, so Bugnyar: "Beide Seiten haben ein in sich stimmiges Bild über ihre eigenen Geschichte und ihr Schicksal." Keine Seite bewege sich weiter. Der Leidensdruck sei auf beiden Seiten enorm und es gebe auch kleinere Gruppen auf beiden Seiten, die sich intensiv um Frieden bemühen, doch es gebe kein gemeinsames Szenario für eine Lösung des Konflikts.

Künftig demokratische Länder nach westlichem Muster kann Bugnyar im gesamten Nahen Osten weit und breit nicht erkennen. Bei den Aufständen in Tunesien, Ägypten, in Syrien oder im Jemen handle es sich um eine berechtigte Auflehnung gegen korrupte Regime. Die Menschen würden sich eine bessere Zukunft wünschen. Das decke sich aber oft nicht mit demokratischen Vorstellungen westlicher Prägung. Bei Wahlen würden islamische Parteien die Mehrheit erlangen, "ob das dem Westen jetzt passt oder nicht".

"Brückenfunktion" der Christen fraglich

Sehr skeptisch äußerte sich Bugnyar zu jenen Stimmen, die den Christen im Orient eine "Brückenfunktion" zwischen westlicher Welt und Orient, zwischen Christentum und Islam zusprechen. Die einheimischen Christen würden dies anders erleben, denn in der allgemeinen Wahrnehmung vor Ort würden sie von der muslimischen Mehrheit dem Westen zugerechnet.

Den Konflikt zwischen Israel bzw. der gesamten westlichen Welt und dem Iran nehme er sehr ernst, so Bugnyar weiter. Eine Eskalation stehe im Raum. Er glaube zwar nicht, so der Rektor, dass der Iran tatsächlich Atomwaffen gegen Israel einsetzen würde, es gehe aber um den Führungsanspruch in der arabischen Welt.

O-Töne von Rektor Bugnyar sind in Kürze unter www.kathpress.at/audio abrufbar.

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