Bundesarbeitskammer: Kein Kahlschlag beim inneralpinen Schienen-Fernverkehr 6

AK: ÖBB muss geplante Reduzierungen im Fernverkehr stoppen. Verkehrsministerium und Länder müssen Verbindungen dauerhaft sichern

Graz (OTS) - Die Hauptversammlung der Bundesarbeitskammer fordert von den ÖBB, die schon geplanten Reduzierungen im Schienenfernverkehr aufs Abstellgleis zu schieben. Seit Jahren werden die inneralpinen Fernverbindungen der ÖBB zwischen den Bundesländern Kärnten, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark und Tirol massiv reduziert: Mit dem Fahrplan 2010/2011 wurden Früh- und Abendverbindungen zwischen Kärnten und Salzburg, die Direktverbindungen zwischen der Steiermark nach Tirol und Vorarlberg über Salzburg reduziert und die IC-Verbindung zwischen der Steiermark und Oberösterreich zur Gänze gestrichen. Mit dem Fahrplanwechsel planen die ÖBB nun die Reduktion der direkten Verbindungen zwischen Graz und Salzburg von 6 Zugspaaren/Tag auf 3 Zugspaare/Tag.

Die Hauptversammlung der Bundesarbeitskammer übte scharfe Kritik an der Planung der ÖBB: So begründen die ÖBB ihre Rücknahmen mit betriebswirtschaftlicher Notwendigkeit, die sie mit nicht nachvollziehbaren Fahrgastzählungen (nur Fahrgäste vom Zugsausgangs-bis zum Endpunkt) begründen. So wurde in der kürzlich von der ÖBB Infrastruktur präsentierten Zielnetzdefinition 2025 plus im Fernverkehr neben dem hochrangigen Fernverkehr eine neue Kategorie Interregio-Fernverkehr eingeführt. Alle inneralpinen ÖBB-Verbindungen sind als solche Interregio-Fernverbindungen kategorisiert. Welche Qualitätsmaßstäbe solche Interregio-Fernverkehre erfüllen werden, ist nicht bekannt.

Dass die ÖBB PV AG als Aktiengesellschaft betriebswirtschaftlich agieren muss, ist evident. Aber die ÖBB tragen am Rückgang der Frequenzzahlen im inneralpinen Verkehr eine Mitschuld, denn es wurde über Jahrzehnte verabsäumt dieses Bahnnetz rechtzeitig attraktiver zu machen. Für die spezifischen Anforderungen auf diesen Strecken wurde kein geeignetes Wagen- bzw. Zugsmaterial beschafft. Mehrwöchige Streckensperren in den letzten Jahren haben viele Fahrgäste vergrämt, so etwa im Ennstal laut ÖBB 25 Prozent.

Neben den negativen Auswirkungen auf Tourismus, Wirtschaft und Bildung (alle fünf Landeshauptstädte sind Universitätsstädte) wirkt die damit einhergehende Verkehrsverlagerung von der Schiene auf die Straße auch auf die Umwelt in den ökologisch sensiblen inneralpinen Tallandschaften negativ.

Auch die Bundesländer, als Aufgabenträger für den Regional- und Nahverkehr sind von den geplanten Einstellungen massiv betroffen. Die Fernverkehrsverbindungen sind attraktive und schnelle Städteverbindungen und das Rückgrat des Regional- und Nahverkehrs in den Bundesländern. Ohne sie und die damit verbundenen Systemknoten werden diese Netze massiv geschädigt. In der Steiermark sind davon z.B. die Taktknoten Leoben Hbf, St. Michael, Selzthal und Liezen massiv betroffen.

Zur Daseinsvorsorge gehört auch, dass die Bundesländer bzw. Landeshauptstädte Österreichs im Schienenverkehr gut miteinander verbunden sind. Immerhin leben in den Landeshauptstädten Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Linz und Salzburg alleine mehr als 800.000 Menschen. Der inneralpine Raum darf daher nicht zu "Restösterreich" werden!

Die Hauptversammlung der Bundesarbeitskammer fordert daher:

+ Die ÖBB müssen die für den Fahrplan 2011/12 geplanten Rücknahmen im inneralpinen Raum stoppen und gemeinsam mit den Bundesländern ein neues, attraktives Fernverkehrssystem mit geeigneten Fahrzeugen entwickeln.
+ Das Verkehrsministerium BMVIT muss den GWL-Vertrag auf die von der Einstellung betroffenen inneralpinen Zugsleistungen erweitern und gemeinsam mit den Ländern und den ÖBB in Verhandlungen über eine dauerhafte Absicherung der inneralpinen Schienenverkehrsverbindungen treten.

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