AGES: Invasive Fruchtfliegen - die kommende Gefährdung für den Obstbau

Wien (OTS) - Die Ernte von frischen Früchten, die nicht fleckig oder sogar madig sind, könnte sich in Zukunft immer schwieriger erweisen. Neueste Funde und Monitoring-Ergebnisse zeigen, dass zunehmend eingeschleppte, invasive Fliegenarten den Obstbau gefährden. Es handelt sich dabei hauptsächlich um Vertreter der Fruchtfliegen (Tephritidae), aktuell aber auch um eine Art der Obst-, Tau- oder Essigfliegen (Drosophilidae), die normalerweise nicht reife Früchte, sondern nur gärendes, bereits faulendes Obst bevorzugen. Alle diese Arten stammen ursprünglich aus tropisch-warmen Gebieten und weisen ein breites Wirtsspektrum auf.

Pfirsichfruchtfliege

Im Sommer 2011 wurde das erstmalige Auftreten der Pfirsichfruchtfliege, Bactrocera zonata, in Wien festgestellt. Bisher gibt es für diese aus Asien stammende Fruchtfliege noch keinerlei Hinweise für ein Vorkommen in Europa. Nur bei Import-Kontrollen in anderen europäischen Ländern konnte sie bisher gefunden werden. Dieser Fund in Wien ist vermutlich auf importierte befallene Früchte zurückzuführen. Eine Etablierung dieser Art wäre eine große Gefahr für den heimischen Obstbau, da diese Fruchtfliege eine sehr große Anzahl an Wirtspflanzen befällt, vor allem Pflanzen mit fleischigen Früchten, in unseren Breiten wäre das Pfirsich.

Kirschessigfliege

Noch größere Gefahr scheint aber von der Kirschessigfliege, Drosophila suzukii, auszugehen. Sie gehört zwar nicht zu den "Fruchtfliegen", befällt aber auch frische heranreifende Früchte -ganz im Gegensatz zu den meisten Essigfliegen, die nur gärendes, faulendes Obst befallen und damit keinen Schaden verursachen. Für die Kirschessigfliege ist jede Frucht mit dünner Schale - vor allem Beerenobst, aber auch Steinobst, Weintrauben und Gemüsefrüchte - eine geeignete Wirtspflanze. Darüber hinaus können auch bereits beschädigte Äpfel und Birnen befallen werden.

Die Heimat der Kirschessigfliege ist Asien. Erst 2009 und 2010 wurde sie in Nordamerika und Kanada und in Europa (Italien) entdeckt und im folgenden Jahr schon in Spanien, Frankreich, Korsika und Slowenien. Im Jahr 2011 wurde sie in der Schweiz und auch in Österreich (September 2011) festgestellt. Der Erstfund wurde an Himbeeren aus Osttirol (Lienzer Raum) vom "NÖ Gartentelefon" gemeldet und von der AGES bestätigt. Weitere befallene Früchte (Holunder, Kiwi) wurden aus der Steiermark (Gegend um Feldbach und Rastbühel) an die AGES (Institut für Pflanzengesundheit) übermittelt und dort identifiziert. Wahrscheinlich gibt es schon weitere Vorkommen der Kirschessigfliege in Österreich. Eine großräumige Verbreitung erfolgt durch den Transport befallener Früchte, eine lokale Ausbreitung (einige km) ist durch die mobilen Fliegen selbst möglich.

Mittelmeerfruchtfliege

Aktuelle Untersuchungen der AGES und des Amtlichen Pflanzenschutzdienstes Wien von 2010 und 2011 zeigen, dass die Mittelmeerfruchtfliege, Ceratitis capitata, in Wien vorkommt. Mündliche Mitteilungen und Veröffentlichungen bestätigen, dass sie bereits seit den 1930-er Jahren in Wien immer wieder beobachtet wurde. Es besteht daher die Annahme, dass sie bereits an mehreren Standorten in Wien etabliert zu sein scheint.

Die Mittelmeerfruchtfliege stammt ursprünglich aus dem tropischen Afrika, ist inzwischen weltweit verbreitet und zählt zu den bedeutendsten schädlichen Fruchtfliegenarten. Diese Fruchtfliege kann über 200 Pflanzenarten bzw. Früchte befallen, wie Pfirsich, Birne, Apfel, Zitrusfrüchte und viele mehr.

Bedeutung

Eine große Gefährdung des heimischen Obstbaus (und auch Weinbaus) durch diese eingeschleppten Fliegen ist nicht nur durch das riesige Wirtspflanzenspektrum gegeben, das sie nützen können, sondern auch mit der hohen Vermehrungsrate zu begründen. Die Weibchen dieser Fliegen können in die heranreifenden Früchte durchschnittlich 300 Eier und mehr in ihrem Leben legen und die Larven (Fliegenmaden) fressen innerhalb der Früchte, die dadurch ungenießbar werden. Außerdem können sie anscheinend auch die in Österreich vorherrschenden kalten Winter überleben, obwohl sie aus mediterranen oder tropischen Gebieten stammen.

Alle diese Faktoren erschweren daher maßgeblich eine erfolgreiche Bekämpfung. Bisher stehen in Österreich für die Bekämpfung nur mechanische Maßnahmen, wie z. B. die gründliche Vernichtung befallener Früchte und der Einsatz verschiedener Typen von Lockstoff-Fallen, zur Verfügung, aber keine biologischen oder chemischen Pflanzenschutzmittel.

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