Felderer in ÖSTERREICH: "Alles bis zu Zerfall der Eurozone ist möglich"

Österreichs oberster Schuldenwächter über Schuldenbremse, Sparpaket und die Krise des Euro

Wien (OTS) - Im großen Interview mit ÖSTERREICH (Sonntag-Ausgabe) sagt Bernhard Felderer, Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS), Mitglied des Generalrats der Oesterreichischen Nationalbank und Präsident des Staatsschuldenausschusses, an, wie es mit unseren Staatsschulden und dem Euro weiter geht. Felderer kritisiert Versäumnise der Politik: Die Deutschen "haben die gute Konjunktur der letzten eineinhalb Jahre zum raschen Schuldenabbau genutzt", Österreich habe das nicht getan.

Felderer nennt Italien als Dreh- und Angelpunkt. "Die Hauptfrage ist, ob die Deutschen es erlauben werden, dass die Europäische Zentralbank die Finanzierung der italienischen Schulden übernimmt. Das würde natürlich zu einer hohen Inflation führen. Wenn die Deutschen deshalb bei ihrem Nein bleiben, haben wir ein wirkliches Problem. Das kann bis zum Auseinanderfallen der Eurozone gehen."

Der Wirtschafts-Experte glaubt, dass Österreich vor einer harten Sanierungsphase steht. "Wir werden an allen Ecken und Enden einsparen müssen, damit wir von den Schulden so weit runterkommen, dass uns die Finanzmärkte wieder in Ruhe lassen."Auf gut 40 Mrd. Euro beziffert Felderer unser nötiges Sparvolumen bis 2020."

Der IHS-Chef sieht "sehr viele Bereiche mit großem Einsparpotenzial. Das betrifft alle Gebietskörperschaften (Bund, Länder, Gemeinden) und unser Meer an Förderungen. In Österreich wird alles und jedes gefördert - vom Kirchtag bis zum Feuerwehrumzug und Brauchtumsverein. Wir sollten jetzt die Chance ergreifen und unterscheiden, was wirklich wichtig und was nicht mehr zeitgemäß ist."

Felderer ist für eine Nullohnrunde bei Beamten. "In Portugal wurden öffentlich Bediensteten in den letzten eineinhalb Jahren teils 45 Prozent des Gehalts weggestrichen," sagt er in ÖSTERREICH.

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