ÖSTERREICH-Interview: "Occupy"-Heldin stammt aus Graz

Widerstand gegen Gierbanker in den USA - Pensionierte Lehrerin aus Österreich ist das "Gesicht" der Bewegung

Wien, New York (OTS) - Bei der Räumung eines "Occupy"-Camps in Seattle wurde Dorli Rainey von der Polizei mit Tränengas attackiert -das Foto der 84-jährigen Demonstrantin ging um die Welt. Im Interview mit der Tageszeitung ÖSTERREICH erzählt Dorli Rainy nun ihre Lebensgeschichte. Sie wurde in Graz geboren, 1956 wanderte sie in die USA aus.

Die Grazerin ist das Gesicht der Protestwelle, die am 17. September an der Wall Street begann. Ihr Leben lang hat sich die Dreifachmutter engagiert, gegen den Vietnamkrieg, Nuklearrüstung, den Irakkrieg - zuletzt Occupy. Neunmal wurde sie bereits verhaftet.

ÖSTERREICH: Sie sind in Österreich aufgewachsen, was sind ihre Erinnerungen
RAINEY: Ich wuchs auf als Kind unter den Nazis, ich musste das Gymnasium aufgeben, in den Arbeitsdienst, erlebte die Kriegswirren, erfuhr über die Gräuel. Deshalb bin ich auch so sensibel gegenüber jeglicher Form des Totalitarismus. Ich erlebe jetzt hier in den USA, wie die Medienlandschaft schrumpft, sie das Internet regulieren wollen. Reporter werden verhaftet. Das erinnert mich an meine Jugend, als es nur eine einzige Zeitung gab: Den "Völkischen Beobachter!" ÖSTERREICH: Wie erleben Sie Amerika heute?
RAINEY: So schlimm wie noch nie in den 55 Jahren, in denen ich hier lebe. Die Kluft zwischen arm und reich wächst rapide, die Repression durch die Staatsgewalt ebenso, das politische System ist korrumpiert. Dazu führen wir Kriege in aller Welt. Ich war zuletzt 1995 in Österreich, ich liebe das Land, auch wenn es mir immer noch zu bürokratisch ist. Doch Amerika ist zurzeit völlig kaputt. ÖSTERREICH: Möchten Sie nach Österreich zurück?
RAINEY: Ich habe mich vor Wochen über eine Doppelstaatsbürgerschaft erkundigt. Das Konsulat teilte mir mit, dass ich dafür besonderes leisten müsste - so wie Arnold Schwarzenegger. So was verrücktes: Der ist für mich ja die lächerlichste Figur in der Welt.
ÖSTERREICH: Wie sehen Sie Occupy?
RAINEY: Das ist die beste Bewegung, für die ich mich jemals engagierte. Sie umfasst alle Schichten der Bevölkerung, alle ethnischen Gruppen, jeden Bildungsgrad. Es ist die breiteste Bewegung, die wir jemals sahen. Die Leute haben genug von der Ungerechtigkeit.
ÖSTERREICH: Wie erklären Sie sich die Polizeibrutalität? RAINEY: Sie sind nur Werkzeuge. Die Mächtigen haben Angst. Die wollen uns stoppen und das um jeden Preis.

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