Nach Todesfällen in Kinderklinik: Experten diskutieren über Arbeitsbedingungen für Ärzte

Chirurg fordert in ATV "Am Punkt" deutlich kürzere Schichtzeiten

Wien (OTS) - Auch wenn noch nicht geklärt ist, wer für die Behandlungsfehler in der Innsbrucker Kinderklinik verantwortlich ist, an deren Folgen zuletzt im Oktober ein dreijähriges Mädchen starb:
Die Vorfälle haben eine Debatte darüber ausgelöst, ob die Ärzte in Spitälern überfordert sind. In der ATV-Diskussionssendung "Am Punkt" wies der Unfallchirurg am Wiener AKH Richard Kdolsky darauf hin, dass immer noch durchgehende Schichten von bis zu 49 Stunden und Wochenarbeitszeiten von bis zu 72 Stunden erlaubt seien: "Wir befinden uns in etwa dort, wo wir Ende des 19. Jahrhunderts bei den gewerkschaftlichen Forderungen gestanden sind, wir sind also weit entfernt von einer 50-, 45- oder 40-Stunden-Woche."

Dass dabei die Konzentrationskraft nachlasse, sei kein Wunder sagte Kdolsky. So hat eine Studie ergeben, dass ein Arzt nach 24 Stunden im Schichtdienst in einer ähnlichen Verfassung sei, wie wenn er 1,0 Promille Alkohol im Blut hätte. Kdolsky fordert: "Ich glaube, es wäre durchaus vernünftig wenn wir uns auf das Maß der Fliegerei, sprich auf 13 Stunden reduzieren könnten. Wie es ja in Krankenanstalten der Sozialversicherungsträger möglich ist, aber normalerweise nicht in öffentlichen Krankenanstalten, sprich Bund, Länder und Gemeinden."

Silvia Türk, Leiterin der Abteilung für Qualitätsmanagement im Gesundheitsministerium, erinnerte in "Am Punkt" daran, dass eine von Gesundheitsminister Hundstorfer heuer eingebrachte Gesetzesinitiative, die Schichtzeiten zumindest auf 25 Stunden zu begrenzen, von den Bundesländern blockiert werde.

Der Patientenanwalt für Niederösterreich Gerald Bachinger sagte, dass es durchaus auch andere Gründe dafür gebe, warum Spitalsärzte überarbeitet seien: "Dass ein Arzt ausgeschlafen ist, hängt nicht nur mit seiner Arbeitszeit zusammen. Dann darf es genauso nicht sein, dass der Arzt dann operiert in seinen 20 Stunden und dann geht er in seine Ordination und arbeitet dort weiter, oder geht in ein Privatkrankenhaus operieren."

Eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Spitalsärzte scheint vorläufig nicht in Sicht. Im Gegenteil: Kdolsky warnte, dass sich die Zustände etwa am AKH in Wien ab Anfang 2012 dramatisch verschlechtern würden, dann sollen dort Sparmaßnahmen in Kraft treten.

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