WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Bank Austria: Nicht nur die Mamma ist schuld - von Christian Kreuzer

Die Bank Austria sitzt auf vielen hausgemachten Problemen

Wien (OTS) - Für die Bank Austria geht es nun Schlag auf Schlag. Nur ein Monat, nachdem die Ratingagentur Moody's die Bewertung der Bank gesenkt hatte, stellt sie das Rating erneut auf den Prüfstand. Die einst größte Bank des Landes bekommt den scharfen Wind aus der Heimat der Mutter UniCredit zu spüren. Sicher, auch die Abschwächung der Volkswirtschaften in Osteuropa lasten auf dem Institut, aber derzeit steht ganz klar die Belastung durch die Mutter an vorderster Stelle. Wird Italien von den Agenturen zurückgestuft, trifft dies automatisch auch die Bank Austria, denn das Rating einer Bank kann nie höher sein als das jenes Landes, das die Konzernmutter beheimatet. Und das hat direkte Konsequenzen für die Österreich-Tochter: Die Refinanzierung wird bei jedem Downgrade teurer. Stünde die Bank ohne die italienische Mutter also besser da? Auf den ersten Blick ja, denn nicht nur das Rating wäre wahrscheinlich höher, auch die Eigenkapitalausstattung ist deutlich besser als jene der UniCredit. Nach dem dritten Quartal weist die Österreich-Tochter eine harte Kernkapitalquote von mehr als zehn Prozent aus und braucht daher kein zusätzliches Kapital, um die neuen Erfordernisse zu erfüllen. Die UniCredit dagegen hat eine Quote von unter neun Prozent und braucht dringend neues Geld. Ohne die Bank Austria sähe die Eigenkapitalposition noch schlechter aus, wenngleich man sagen muss, dass die Tochter vor zwei Jahren eine Kapitalspritze im Ausmaß von zwei Milliarden Euro bekommen hat. Ohne diese Hilfe aus Mailand hätte sich die Bank Austria auch um staatliche Hilfe anstellen müssen.

Man darf aber nicht vergessen, dass die Bank Austria auch auf zahlreichen hausgemachten Problemen sitzt. Niemand hat die Bank Austria gezwungen, griechische Staatsanleihen im Wert von einer halben Milliarde Euro zu kaufen. Die Italiener haben sich da vornehm zurückgehalten. Niemand hat die Bank Austria genötigt, die kasachische ATF für 1,6 Milliarden Euro zu übernehmen. Neben den Millionenverlusten in Kasachstan musste das Management den Firmenwert um mehr als eine Milliarde Euro abschreiben, was wiederum das Ergebnis belastete. Dass die Bank Austria nach neuen Monaten heuer nur mehr 4,5 Millionen Euro verdiente, hat mit Italien oder mit der UniCredit also wenig zu tun.

Klar ist aber auch, dass sich die Situation für das Institut verschärfen würde, falls sich die Verfassung Italiens verschlechtern würde. Auch hier gilt: Mitgehangen, mitgefangen.

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