Nadelstichverordnung - Geplante Verordnung des Sozialministers stellt die Verhältnisse von Mitte des 19. Jahrhunderts wieder her

Wien (OTS) - In dieser Verordnung wird unter anderem die verpflichtende Umstellung auf so genannte "sichere Injektionsnadeln" für alle medizinischen Leistungen vorgeschrieben. Dazu ist aus zahnärztlicher Sicht Folgendes anzumerken:

Offensichtlich ist bei der Erarbeitung dieses Entwurfes nur an Anwendungen in Spitälern gedacht worden, während - wie in der Politik leider immer häufiger üblich - auf die tagtägliche Anwendung in den Ordinationen, wo insbesondere bei der Erbringung von Lokalanästhesien die Verwendung von Nadeln unumgänglich ist, vergessen wurde.

Die Anwendung von Nadeln mit derartigen Schutzmechanismen durch Zahnärzte ist im menschlichen Mund wegen des extrem kleinen Arbeitsfeldes unmöglich, ist es doch erforderlich, dass bei der Erbringung einer örtlichen Betäubung einzelne Nerven bzw. Nervenbündel möglichst genau getroffen werden. Dies ist mit diesen Nadeln unmöglich, wie jede Marktübersicht deutlich zeigt, weil die Schutzmaßnahmen das präzise Setzen der Nadeln verhindern. Es mag offen bleiben, ob es Zufall ist, dass die Initiative SAFETY FIRST!, die die Umsetzung dieser Verordnung begrüßt, maßgeblich von einem bedeutenden Hersteller solcher Spritzen unterstützt wird.

Die geplante Regelung würde bedeuten, dass zahnärztliche Behandlungen mit Lokalanästhesie praktisch unmöglich würden. Der Standard des Umgangs mit Schmerzen bei der zahnärztlichen Behandlung würde damit schlagartig um mindestens 150 Jahre zurückgesetzt werden, gibt es doch Therapien, die heutzutage ohne entsprechende Anästhesie nicht mehr erbracht werden können.

Im Endeffekt würde die Umsetzung dieser Verordnung bedeuten, dass zahnärztliche Behandlungen entweder nur mehr in Vollnarkose -verbunden mit beträchtlichen gesundheitlichen Risiken und enormen Kosten - möglich wären, oder dass auch schmerzhafte Behandlungen, wie Extraktionen und Wurzelbehandlungen, ab sofort ohne jede Narkose stattfinden müssten.

Für die Österreichische Zahnärztekammer stellt sich die Frage, ob dem Sozialminister beim Entwurf dieser Verordnung diese Folgen entweder nicht bekannt waren oder ob es sich um eine zielgerichtete Attacke auf die PatientInnen handelt.

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