Zuerst bei den Kindern, danach weg vom Fenster: Junge Mütter sind eine Randgruppe auf dem Arbeitsmarkt

Linz (OTS) - Frauen, die Kinder betreuen, haben es schwer, wieder
in den Job einzusteigen. Das zeigt die aktuelle Arbeitsmarktanalyse der AK Oberösterreich. Hauptgründe dafür sind die Dauer der Karenz, mangelnde Kinderbetreuungsangebote und unflexible Arbeitgeber. Die AK fordert die Beseitigung gesetzlicher Schikanen für junge Mütter und Maßnahmen zur Überwindung der Diskriminierung von Frauen im Arbeitsleben.

Das Kind gehört zur Mama, der Papa bringt das Geld nach Hause: Von den 142.034 Beziehern/-innen von Kinderbetreuungsgeld Ende September 2011 waren nur 6579 Männer (4,6 Prozent). Angesichts der erheblichen Einkommensunterschiede ist das nachvollziehbar und rational. Für die Frauen erschwert es aber den beruflichen Wiedereinstieg.

Ähnlich wie bei Arbeitslosen spielt auch bei betreuenden Eltern die Dauer der Unterbrechungsphase eine wichtige Rolle. In Oberösterreich haben sich drei von vier Kinderbetreuungsgeldbeziehern/-innen für die lange Variante 30+6 Monate entschieden. Ein wesentlicher Grund dafür ist das mangelnde Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen. So ist die Betreuungsquote bei Kindern bis zu zwei Jahren in Wien mit 28,1 Prozent nahezu dreimal so hoch wie in Oberösterreich. "Damit ist die Hürde beim Wiedereinstieg ins Arbeitsleben für oberösterreichische Mütter größer als für jene in anderen Bundesländern", sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Von den Müttern, deren jüngstes Kind noch keine zwei Jahre alt ist, sind nur knapp 30 Prozent erwerbstätig (überwiegend Teilzeit). Die Erwerbsquote der Väter liegt ungeachtet des Alters der Kinder bei rund 90 Prozent.

Daneben gibt es österreichweit rund 216.000 nicht erwerbstätige Frauen (in vielen Fällen Mütter), die für eine Rückkehr ins Berufsleben gewonnen werden können. Etwa ein Drittel davon könnte binnen zwei Wochen eine Arbeit aufnehmen. Auf Oberösterreich heruntergebrochen beträgt dieses Potenzial mehr als 30.000 Frauen.

"Frauen sind mit widersprüchlichen Signalen konfrontiert. Einerseits ist eine höhere Geburtenrate erwünscht, andererseits gibt es wenig Unterstützung, wenn es darum geht, sie bei der Kinderbetreuung zu entlasten", analysiert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Aus seiner Sicht sind sämtliche Maßnahmen, die die Segmentation des Arbeitsmarktes in Männer- und Frauenberufe aufweichen und die Einkommensdiskriminierung von Frauen beseitigen, hilfreich. Junge Eltern brauchen auch mehr Gestaltungsfreiheit bei der Lage und Dauer der Arbeitszeit. Gesetzliche Schikanen sind zu beseitigen: Der Kündigungsschutz in der Karenz ist auf die Dauer des möglichen Bezugs von Kinderbetreuungsgeld anzuheben. Gleiches gilt für die Elternteilzeit, die Mütter und Väter sechs Jahre in Anspruch nehmen können, dabei aber nur vier Jahre Kündigungsschutz genießen.

Nicht zuletzt gibt es großen Handlungsbedarf bei den Kinderbetreuungsangeboten, insbesondere für Kinder unter drei Jahren sowie für Schüler/-innen.

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