vida zu Friseur-Innung: Auch für Lehrlinge muss sich Leistung lohnen

"Wer Niedriglöhne zahlt, darf nicht über Lehrlingsmangel klagen"

Wien (OTS) - (vida/ÖGB). Als "ein Jammern auf hohem Niveau" bezeichnet der stellvertretende vida-Vorsitzende Willibald Steinkellner die Klage der Innung der FriseurInnen über den Mangel an Jugendlichen, die eine Friseur-Lehre ergreifen wollen. "Nach den aktuellen Arbeitsmarktdaten ist die Situation in der Branche bei weitem nicht so dramatisch, wie dargestellt", sagt Steinkellner. Sein Tipp an die Arbeitgeber: "Bei den bevorstehenden Kollektivvertragsverhandlungen gibt es die Möglichkeit, die Entlohnung und die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Die Innung sollte sich das nicht entgehen lassen, denn die Branche hat großen Aufholbedarf."++++

Österreichweit gab es im Oktober 2011 laut den Daten des Arbeitsmarktservice (AMS) 367 offene Lehrstellen bei den Friseuren und 397 arbeitslose Jugendliche, die eine Friseur-Lehrstelle suchten. In Wien waren im Oktober 103 offene Lehrstellen im Friseurbereich gemeldet und 144 Jugendliche, die in dieser Branche eine Lehre suchten.

"Es ist gut, dass sich die Friseur-Innung Gedanken macht, warum die Branche für die Jugendlichen nicht attraktiv genug ist. Die Statistiken zeigen klar, dass in anderen Berufen eine bessere Entlohnung und meist auch bessere Karrierechancen warten", sagt Steinkellner.

Die Friseurbranche gehört in Österreich zu den absoluten Niedriglohnbranchen. Als einzige Berufsgruppe zahlen die FriseurInnen ausgelernten Kräften in der dreimonatigen Behaltefrist nach absolvierter Lehrabschlussprüfung einen eigenen, niedrigeren "Behaltefristlohn". Alle anderen Branchen zahlen nach Lehrabschluss den Facharbeiterlohn. "Der Behaltefristlohn beträgt gerade 1.000 Euro. Wir fordern ein Ende dieses Schandlohns , denn ausgelernten Kräften steht der Facharbeiterlohn zu", sagt Steinkellner.

Weitere Forderungen von vida zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen:
o 1.300 Euro brutto Mindestlohn bei Vollzeitarbeit umsetzen.

o Eine kräftige Anhebung der Lehrlingsentschädigungen. Derzeit liegt die
Entschädigung bei 353 Euro im Monat im ersten Lehrjahr und bei 619 Euro im
dritten Jahr.

o Die Übernahme der Internatskosten für Lehrlinge während der Berufsschulzeit
durch den Arbeitgeber.

Steinkellner abschließend: "Viel verlangen, wenig bezahlen, dieses Denken muss ad acta gelegt werden. Die Anforderungen an die Jugendlichen nehmen laufend zu. Ihre Leistung muss auch anständig entlohnt werden."

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