TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Samstag, 5. November 2011, von Mario Zenhäusern: "Auf dem Rücken der Patienten"

Innsbruck (OTS) - Untertitel: Statt Voraussetzungen für eine optimale Krankenversorgung zu schaffen, liefern sich Medizin-Universität und Tilak ein unwürdiges Theater um die Macht. Jetzt muss die Politik endlich eingreifen.

Die Innsbrucker Universitätsklinik war und ist eine Krankenanstalt von Weltruf. Dafür haben in der Vergangenheit medizinische Glanzleistungen gleichermaßen gesorgt wie ein mehr als engagiertes Pflegepersonal. Beide Berufsgruppen versuchen auch weiterhin ihr Bestes, um den Patientinnen und Patienten so wie bisher eine qualitativ einwandfreie, über jeden Zweifel erhabene Versorgung bieten zu können.
Diese Leistungsbereitschaft des Personals aufrechtzuerhalten, sollte eigentlich im Interesse aller liegen. Ist es aber offensichtlich nicht. In Tirol passiert nämlich genau das Gegenteil. Das Aushängeschild der heimischen Krankenversorgung ist längst zum Spielball zwischen den Kräften geworden. Die Medizin-Universität auf der einen und das Land Tirol bzw. der vom Land mit der Verwaltung aller Landeskrankenanstalten beauftragten Tiroler Landeskrankenanstalten GmbH (Tilak) auf der anderen Seite liefern sich seit Jahren einen Kampf auf Biegen und Brechen - auf dem Rücken der Patienten. Statt im Sinne einer qualitativ hochwertigen medizinischen Versorgung der Menschen notwendige Maßnahmen rasch durchzuziehen, wird gestritten, gefeilscht, verzögert und verbürokratisiert. Das unwürdige Theater um den klinischen Mehraufwand ist beredtes Beispiel für die unhaltbare Situation, die gegenseitigen Millionenforderungen zeigen, wie fest der Karren im Dreck steckt.
Wenn jetzt auch die Qualität der Behandlung unter diesen offensichtlichen Unzulänglichkeiten zu leiden beginnt, die sich hinter dem simplen Wörtchen "Strukturprobleme" verstecken, ist die Politik auf Landes- wie auch auf Bundesebene gefordert. Sie muss endlich für klare Verhältnisse sorgen und dem elenden Gezerre zwischen Medizin-Universität und Tilak ein Ende bereiten.
Dazu bedarf es in erster Linie einer starken Hand im universitären Bereich. Seit der Trennung in Stamm- und Medizin-Uni gerät vor allem Letztere nicht aus den negativen Schlagzeilen. Und die Verantwortlichen in den diversen Gremien haben in der Vergangenheit mehrfach gezeigt, dass sie entweder nicht willens oder nicht in der Lage sind, auf offensichtlich bestehende Mängel entsprechend zu reagieren. Wissenschaftsminister Karl-Heinz Töchterle hat nie einen Zweifel darüber aufkommen lassen, dass er diese Zweiteilung ablehnt. Die traurigen Vorkommnisse der jüngsten Vergangenheit sollten ihn darin bestärken, den seinerzeitigen Fehler wieder auszubügeln.

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